Deutschland liefert in Thessaloniki eine starke erste Halbzeit, verpasst aber den entscheidenden Treffer. Nach dem 0:0 gegen Griechenland wird der Weg ins Nations-League-Viertelfinale kompliziert. Für Jürgen Klopp beginnt jetzt das große Rechnen.
Es hätte die perfekte Antwort werden können. Nach der enttäuschenden 0:1-Niederlage gegen Griechenland wollte die deutsche Nationalmannschaft im Rückspiel unbedingt zeigen, dass dieses Ergebnis ein Ausrutscher war.
Über weite Strecken sah es auch danach aus. Deutschland dominierte, kombinierte mutig und setzte die griechische Defensive immer wieder unter Druck. Doch am Ende fehlte genau das, was im Fußball den Unterschied macht: ein Tor.
Das 0:0 in Thessaloniki ist deshalb für die DFB-Elf deutlich bitterer, als es das Ergebnis vermuten lässt.
Deutschland dominiert, aber belohnt sich nicht
Die Anfangsphase gehörte zunächst den Gastgebern. Nach wenigen Sekunden musste Torhüter Noah Atubolu bereits aufmerksam sein. Danach übernahm Deutschland jedoch immer mehr die Kontrolle.
Mit viel Ballbesitz, hohem Tempo und aggressivem Gegenpressing setzte die Mannschaft Griechenland unter Druck. Vor allem über die linke Seite sorgte Jamie Bynoe-Gittens immer wieder für Gefahr.

Auch Florian Wirtz präsentierte sich als auffälliger Taktgeber. Deutschland fand Räume und erspielte sich Chancen.
Die Zahlen unterstreichen die Überlegenheit: 70 Prozent Ballbesitz und 21 Torschüsse standen am Ende auf deutscher Seite. Griechenland kam lediglich auf fünf Abschlüsse.
Doch ausgerechnet beim wichtigsten Wert herrschte Gleichstand.
0:0.
Burkardt trifft und darf trotzdem nicht jubeln
In der 32. Minute schien die deutsche Geduld endlich belohnt zu werden. Nach einer starken Aktion von Bynoe-Gittens landete der Ball bei Jonathan Burkardt, der zum vermeintlichen Führungstreffer einschob.
Doch die Freude hielt nicht lange.
Schiedsrichter Clément Turpin nahm das Tor nach Überprüfung zurück. In der Entstehung hatte es ein Handspiel von Tom Bischof gegeben.
Eine bittere Szene für Deutschland. Denn der Treffer hätte nicht nur die Leistung der ersten Halbzeit gekrönt, sondern auch den Griechen eine deutlich schwierigere Aufgabe gestellt.
Stattdessen blieb die Partie offen.
Nach der Pause verliert Deutschland den Rhythmus
Griechenland musste reagieren und tat genau das. Die Gastgeber wurden aggressiver, störten den deutschen Spielaufbau früher und brachten mehr Härte in die Zweikämpfe.
Deutschland ließ sich davon zunehmend beeindrucken.
Die Dominanz aus dem ersten Durchgang war plötzlich verschwunden. Kombinationen wurden ungenauer, die Angriffe weniger zwingend. Auch die Einwechslungen brachten zunächst nicht den erhofften Schwung.
Eine große Möglichkeit bot sich Deutschland noch: Rechtsverteidiger Kiliann Sildillia entschied sich in aussichtsreicher Position für einen Querpass, statt selbst abzuschließen. Kurz darauf verfehlte Bynoe-Gittens das Tor.
Mehr kam nicht.
Stattdessen hätte Griechenland die Partie sogar noch gewinnen können. Konstantinos Tsimikas verpasste am langen Pfosten jedoch eine gute Gelegenheit.
Am Ende blieb es beim torlosen Remis.
Das Problem heißt Tabelle
Der verpasste Sieg wiegt vor allem deshalb schwer, weil Deutschland damit weiter hinter Griechenland und den Niederlanden liegt.
Nach vier Spieltagen steht die DFB-Elf bei fünf Punkten. Griechenland und die Niederlande haben jeweils acht Zähler.

Und noch unangenehmer: Den direkten Vergleich mit Griechenland hat Deutschland bereits verloren. Nach dem 0:1 im Hinspiel und dem 0:0 in Thessaloniki gibt es bei Punktgleichheit keinen Vorteil für die Mannschaft von Jürgen Klopp.
Damit ist klar: Deutschland darf sich in den letzten beiden Gruppenspielen kaum noch einen Ausrutscher erlauben.
Zwei Spiele, maximaler Druck
Im November warten Serbien und die Niederlande.
Zunächst geht es auswärts gegen Serbien. Drei Tage später folgt in Berlin das möglicherweise entscheidende Duell mit den Niederlanden.
Sechs Punkte aus diesen beiden Partien wären vermutlich die beste Ausgangslage. Doch selbst dann könnte Deutschland auf Schützenhilfe angewiesen sein.
Denn mehrere Mannschaften können noch auf elf Punkte kommen. Dann wird der direkte Vergleich zum entscheidenden Faktor und auch die Tordifferenz könnte eine Rolle spielen.
Das bedeutet: Für Deutschland geht es im November möglicherweise nicht nur darum, zu gewinnen.
Es könnte auch darum gehen, wie hoch gewonnen wird.
Klopp bleibt gelassen
Der neue Bundestrainer wollte sich unmittelbar nach dem Spiel noch nicht auf Rechenspiele einlassen.
„Über die Spiele im November habe ich noch keine Sekunde nachgedacht“
, sagte Klopp.
Viel Zeit bleibt ihm allerdings nicht. Die erste Länderspielphase unter seiner Führung hat gezeigt, dass Deutschland spielerisch durchaus Fortschritte machen kann. Gleichzeitig offenbarte sie ein Problem, das Klopp schnell lösen muss: Die Mannschaft muss ihre guten Phasen konsequenter in Tore umwandeln.
Gegen Griechenland war Deutschland über weite Strecken die bessere Mannschaft.
Aber Fußball wird nicht nach Ballbesitz oder Torschüssen entschieden.
Jetzt beginnt der Rechen-Krimi
Das 0:0 ist deshalb mehr als nur ein weiterer Punktverlust. Deutschland hat die Kontrolle über die eigene Zukunft ein Stück weit aus der Hand gegeben.
Noch ist das Viertelfinale absolut erreichbar. Doch die Ausgangslage ist kompliziert.
Im November muss die DFB-Elf liefern und gleichzeitig hoffen, dass die Konkurrenz Punkte liegen lässt.
Aus der geplanten Revanche in Griechenland wurde damit ein torloser Rückschlag.
Jetzt beginnt für Klopp und seine Mannschaft der Rechen-Krimi.
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