Joe Mazzulla wollte diesen Preis nicht. Er nannte ihn im März öffentlich „bescheuert“, forderte Journalisten auf, ihn nie wieder darauf anzusprechen, und bestand darauf, dass die Auszeichnung dem Staff gehöre, nicht ihm. Die NBA hat das ignoriert. Am Dienstag wurde Mazzulla zum NBA Coach of the Year 2025/26 gewählt, und zwar mit 62 von 100 Erststimmen und 392 Punkten. Kein anderer Coach stand auf mehr Stimmzetteln.
Was passiert ist

Mazzulla, 37 Jahre alt, setzte sich klar gegen J.B. Bickerstaff von den Detroit Pistons durch, der mit 312 Punkten auf Platz zwei landete. Mitch Johnson von den San Antonio Spurs folgte mit 133 Punkten auf Rang drei. Die Bekanntgabe erfolgte in der NBC-Sendung vor Spiel 5 der Western Conference Finals, wo Mazzulla das Ergebnis direkt kommentierte. „Am Ende des Tages ist der Prozess in Richtung Meisterschaft das Ziel Nummer eins“, sagte er sinngemäß auf Deutsch. „Das ist das Verdienst der Spieler und der gesamten Organisation.“ In seinem offiziellen Statement legte er noch nach: „Diese Auszeichnung sollte Staff of the Year heißen.“
Was Mazzulla aus einem kaputten Kader gemacht hat
Boston verlor Jayson Tatum durch einen Achillessehnenriss, dazu gingen Kristaps Porzingis, Al Horford und Luke Kornet. Was blieb, waren Jaylen Brown, Derrick White, Sam Hauser, Payton Pritchard und eine Handvoll unerprobter Optionen. Die Celtics starteten 0:3, verloren sieben ihrer ersten zwölf Spiele. Danach verloren sie in der gesamten restlichen Regular Season kein einziges Mal drei Spiele in Folge. Das Endresultat: 56 Siege, Platz zwei im Osten, die wenigsten Ballverluste der gesamten Liga, Rang zwei in der Offensive Rating (120,0) und Rang vier in der Defensive Rating (111,7). Laut ESPN ist Mazzulla damit in vier Saisons auf eine Bilanz von 238:90 gekommen, die beste Quote der Liga in diesem Zeitraum. Brown erzielte Career-Highs in Punkten und Assists. White schaffte erstmals das First-Team All-Defense. Pritchard etablierte sich als echter Offensivfaktor. Und vier Spieler, die zu Saisonbeginn kaum Einsatzzeiten hatten oder aus der G League kamen, wurden zu verlässlichen Rotationsspielern: Baylor Scheierman, Jordan Walsh, Neemias Queta und Luka Garza.
Warum dieser Preis mehr zählt als die meisten

Mazzulla ist laut Reuters der erste Celtics-Coach seit Bill Fitch (1979/80), der diese Auszeichnung erhält, und erst der vierte in der Franchise-Geschichte überhaupt, nach Tom Heinsohn (1972/73) und Red Auerbach (1964/65), nach dem der Preis benannt ist. Er ist zudem der jüngste Gewinner seit Phil Johnson, der 1974/75 mit 33 Jahren ausgezeichnet wurde. Brad Stevens, der selbst zum Executive of the Year gewählt wurde, formulierte es so: „Mit all den Unbekannten zu Saisonbeginn hat Joe fantastische Arbeit geleistet, ein Team aufzubauen und wachsen zu lassen.“ Derrick White erzählte auf seinem Podcast, dass Mazzulla ihn im Juli an seinem Geburtstag anrief, kurz gratulierte und dann sagte: „Alle denken, wir werden schlecht sein. Ich liebe es.“ Dann legte er auf.
Boston verlor in der ersten Playoff-Runde gegen Philadelphia in sieben Spielen. Die Meisterschaft, das erklärte Ziel, blieb aus. Mazzulla sagte dazu nüchtern, dass man dem Prozess nicht gerecht geworden sei, aber die Mannschaft jeden Tag mit dem richtigen Mindset aufgetaucht sei. Für einen Coach, der einen Preis für sich selbst grundsätzlich ablehnt, ist das wohl die einzige Einordnung, die er akzeptiert. Die NBA hat ihn trotzdem in die Geschichtsbücher geschrieben.
Quellen: Reuters, ESPN, Sports Illustrated
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