MetLife Stadium, Woche eins. Die New York Giants schlagen die Dallas Cowboys 28:20, Jaxson Dart wirft drei Touchdown-Pässe, und zum ersten Mal seit 2010 gewinnen die Giants ihr Heimspiel am Eröffnungswochenende. Für die meisten Teams wäre das eine gute Nachricht. Für die Giants ist es fast eine Sensation. Denn in New York haben die letzten Jahre nicht von Siegen gehandelt, sondern von Geduld, die irgendwann in Gleichgültigkeit kippt. Jetzt ist John Harbaugh da. Und der Ton hat sich verändert.
18 Jahre Baltimore, dann New York
Harbaugh übernahm die Giants in diesem Jahr, nach 18 Saisonen als Head Coach der Baltimore Ravens. Was ihn erwartete, war kein Trümmerfeld, aber auch kein fertiges Team: zwei Gewinnsaisonen in den letzten zehn Jahren, junge Spieler mit Potenzial, eine Organisation, die Richtung suchte. Die Franchise hatte Dart, hatte Cam Skattebo, hatte Malik Nabers. Was fehlte, war die Struktur um sie herum.

Jeff Reinebold, NFL-Analyst bei Sky Sports und regelmäßiger Gast im Inside the Huddle Podcast, bringt es auf den Punkt. Sinngemäß auf Deutsch: „Harbaughs Staff hat Jaxson Dart nicht gedraftet, hat Cam Skattebo nicht gedraftet, hat Malik Nabers nicht gedraftet. In New York gibt es eine Menge guter Spieler, die sie nicht selbst ausgewählt haben. Aber was Harbaugh geschaffen hat, ist eine Kultur, die dort gefehlt hat.“ Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem neuen Trainer und einem echten Neuanfang.
Dart, Likely und der erste Fingerabdruck
Der Sieg gegen Dallas war kein Zufallsergebnis. Dart traf zweimal Isaiah Likely für Touchdowns, Skattebo lief einen weiteren rein. Likely, der in der Offseason verpflichtet wurde, passte sofort ins System. Reinebold wertet das als Signal: „Bringing in Isaiah Likely was a good move“, sagt er im Podcast, sinngemäß auf Deutsch: „Die Verpflichtung von Isaiah Likely war ein guter Schritt. Wenn du Giants-Fan bist, musst du die Richtung wirklich mögen, in die das hier geht.“

Es war zudem der erste Sieg der Giants am Eröffnungswochenende seit 2022, als die Mannschaft noch unter anderen Vorzeichen in die Saison ging. Damals erreichten sie die Playoffs, schlugen die Minnesota Vikings in der Wild-Card-Runde, verloren dann aber 7:38 gegen die Philadelphia Eagles. Seitdem war New York nicht mehr in der Postseason. Harbaugh soll das ändern, und Woche eins deutet zumindest an, dass er weiß, wie man ein Team aufstellt, das kämpft.
Die eigentliche Probe kommt noch
Reinebold ist vorsichtig genug, die Euphorie nicht zu groß werden zu lassen. „It’s not perfect yet. I don’t think they’re going to win their division. I do think they could be a playoff team“, sagt er, sinngemäß auf Deutsch: „Es ist noch nicht perfekt. Ich glaube nicht, dass sie ihre Division gewinnen werden. Aber ich denke, sie könnten ein Playoff-Team sein.“ Den NFC East dominieren andere, daran ändert ein Auftaktsieg nichts. Was sich aber verändert hat, ist die Körpersprache, die Energie im Stadion, das Auftreten der Mannschaft.
Doch Reinebold stellt auch die härtere Frage, die Harbaugh beantworten muss: Kann er das Level halten? „In the city with the most distractions in the world, the most newspaper outlets, the most media, can he keep them focused?“, fragt er im Podcast, sinngemäß auf Deutsch: „In der Stadt mit den meisten Ablenkungen der Welt, den meisten Zeitungen, den meisten Medien: Kann er sie fokussiert halten?“ New York ist kein einfacher Ort, um ein Team zu führen. Nach einem Auftaktsieg dreht sich die Stadt sofort. Jeder erzählt den Spielern, wie gut sie sind. Genau dann trennt sich, wer eine Kultur gebaut hat, von wem, der nur eine gute Woche hatte.

Als nächstes reisen die Giants zu den Los Angeles Rams, die zum Auftakt gegen die San Francisco 49ers verloren haben. Ein Auswärtsspiel, früh in der Saison, gegen ein Team mit Revanche-Motivation. Harbaugh weiß, wie solche Spiele laufen. Er hat genug davon gewonnen und verloren, um zu wissen, dass Woche eins nichts beweist außer Bereitschaft. Ob New York in dieser Saison wirklich Playoff-Fußball spielt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen, nicht an einem Septembersonntag gegen Dallas. Aber der Anfang ist gemacht. Und er sieht nach Harbaugh aus.
Quellen: Sky Sports NFL
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