Vier Spieltage sind absolviert und für einige der vermeintlichen Mitfavoriten wird die Saison bereits zur Krisensitzung. Während sich die Kansas City Chiefs einen perfekten Start leisten, kämpfen gleich mehrere Teams mit einer Bilanz von 0:4 ums Überleben. Gleichzeitig zeigen die New England Patriots, dass sie ihren jungen Quarterback besser in Szene setzen können. Und bei den New York Giants beginnt mit Jameis Winston eine neue, ziemlich unberechenbare Ära.
0:4 und kaum noch Hoffnung
Ein Fehlstart kann passieren. Vier Niederlagen zum Saisonbeginn sind in der NFL allerdings mehr als nur ein schlechter Start. Sie sind meistens bereits das Ende aller ernsthaften Playoff-Träume.
Nach Woche vier stehen fünf Teams noch ohne Sieg da. Besonders bitter ist das für die Houston Texans, Los Angeles Chargers und Tampa Bay Buccaneers. Alle drei Mannschaften waren mit deutlich höheren Erwartungen in die Saison gegangen.

Houston sollte dank seiner starken Defense zum erweiterten Favoritenkreis der AFC gehören. Die Chargers wurden im hart umkämpften AFC-Westen als ernsthafter Playoff-Kandidat gehandelt. Tampa Bay wiederum durfte sich berechtigte Hoffnungen auf die NFC South machen.
Jetzt stehen alle drei bei 0:4.
Die Geschichte spricht dabei klar gegen sie. Seit der Einführung des 17. Saisonspiels im Jahr 2021 hat kein einziges Team nach einem 0:4-Start noch die Playoffs erreicht. In der gesamten NFL-Historie gelang dieses Comeback überhaupt nur einmal: den San Diego Chargers 1992. Sie gewannen nach vier Niederlagen elf ihrer folgenden zwölf Partien und holten sich mit 11:5 sogar den Divisionstitel.
Eine Wiederholung dieses Kunststücks wäre in der aktuellen Saison eine Sensation.
Für die Chargers ist der Weg besonders steinig. Kansas City ist mit 4:0 gestartet, während auch Las Vegas mit 3:1 gut dasteht. Houston muss unter anderem auf die bereits starken Jacksonville Jaguars schauen und hat mit den Indianapolis Colts einen weiteren Konkurrenten in Reichweite.
Tampa Bay hätte auf dem Papier den günstigsten Weg. Doch Verletzungen machen die Situation kompliziert. Quarterback Baker Mayfield fällt voraussichtlich länger aus, ein denkbar schlechter Zeitpunkt für eine Aufholjagd.
Noch ist die Saison nicht mathematisch verloren. Realistisch betrachtet müssen diese drei Teams aber schon bald eine außergewöhnliche Serie starten.
Patriots finden plötzlich Antworten
In New England dürfte die Stimmung nach dem Sieg gegen Buffalo deutlich besser sein. Der 29:26-Erfolg war nicht nur wegen des Comebacks wichtig. Die Patriots zeigten offensiv Ansätze, die in den ersten drei Wochen gefehlt hatten.
Im Mittelpunkt stand Quarterback Drake Maye. Nach einem schwierigen Saisonbeginn wirkte er gegen die Bills deutlich sicherer. Noch wichtiger war allerdings die Unterstützung, die ihm das Coaching und seine Mitspieler gaben.

Offensive Coordinator Josh McDaniels setzte wesentlich stärker auf Bewegung vor dem Snap. Die Patriots schickten ihre Spieler laut Next Gen Stats bei 75,3 Prozent der Spielzüge in Motion, ein außergewöhnlich hoher Wert.
Das hat einen klaren Zweck: Die Defense soll vor dem Snap Informationen preisgeben. Bewegt sich ein Verteidiger mit einem Receiver, deutet das häufig auf Man Coverage hin. Bleibt er an seinem Platz, ist eine Zone wahrscheinlicher. Gleichzeitig lassen sich mögliche Blitzes besser erkennen.
Für einen jungen Quarterback kann genau diese zusätzliche Information Gold wert sein.
Auch Play Action wurde verstärkt eingesetzt. Dadurch mussten die Bills ihre Safeties und Linebacker stärker gegen den Lauf berücksichtigen – und eröffneten Maye Räume im Passspiel.
Das Ergebnis: 269 Passing Yards und sieben verschiedene Receiver mit mindestens einem Catch.
Besonders Romeo Doubs lieferte ab. Zwei Touchdowns standen am Ende auf seinem Konto. Efton Chism III sorgte mit seinem späten Touchdown-Catch schließlich für den entscheidenden Moment.
Perfekt war Mayes Auftritt keineswegs. Aber genau das musste er auch nicht sein. Für New England ging es vor allem darum zu zeigen, dass die Offense mehr kann als in den ersten Wochen.
Mit 2:2 sind die Patriots plötzlich wieder mitten im Rennen.
Jameis Winston: Spektakel garantiert
Bei den Giants ist die Situation eine völlig andere. Nach der Verletzung von Jaxson Dart muss nun Jameis Winston übernehmen.
Und damit bekommt New York genau das, was man von Winston erwarten darf: jede Menge Unterhaltung und wahrscheinlich einige graue Haare.
Gegen die Arizona Cardinals zeigte Winston das komplette Programm. Er kann den Football mit enormer Präzision und Wucht werfen und Pässe anbringen, die andere Quarterbacks gar nicht erst versuchen würden.

Das Problem: Er versucht eben auch Würfe, die besser nie geworfen worden wären.
Gegen Arizona begann Winston furios. Die Giants gingen mit 17 Punkten in Führung, unter anderem dank zweier Touchdown-Pässe. Dann folgte die erste Interception. Nach der Pause dauerte es nicht lange, bis der nächste Fehlpass beim Gegner landete.
Doch Winston wäre nicht Winston, wenn darauf nicht sofort wieder ein spektakulärer Moment folgen würde. Er warf einen weiteren Touchdown und führte sein Team schließlich zu einem 36:24-Erfolg.
Drei Touchdown-Pässe, zwei Interceptions, die klassische Winston-Statistik.
Schon seine NFL-Karriere war immer von diesem extremen Wechsel zwischen Genie und Wahnsinn geprägt. 2019 schrieb er Geschichte, als er als erster Quarterback einer Saison mindestens 30 Touchdowns und 30 Interceptions verbuchte.
Wer nun auf einen langweiligen Game Manager hofft, ist bei Winston definitiv an der falschen Adresse.
Die Lehre aus Woche vier
Die NFL-Saison ist gerade einmal vier Wochen alt und trotzdem zeichnet sich bereits eine erste Trennlinie ab.
Einige Teams müssen sich mit der Realität auseinandersetzen, dass ihre Saisonplanung nicht aufgeht. Andere finden gerade rechtzeitig Antworten. Und bei den Giants beginnt ein Experiment, das jede Woche für neue Schlagzeilen sorgen dürfte.
Besonders spannend ist dabei New England. Der Sieg gegen Buffalo war mehr als nur ein Erfolg in der Tabelle. Die Patriots zeigten, dass sie bereit sind, ihre Offensive an die Stärken ihres jungen Quarterbacks anzupassen.
Houston, Los Angeles und Tampa Bay brauchen dagegen dringend Siege.
Denn in der NFL kann sich das Blatt schnell wenden. Aber ein 0:4-Start lässt kaum noch Spielraum für weitere Fehler.
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