Kabayel siegt souverän in der dritten Runde durch K.o. !

"Ich habe deutschen Boxsport wiederbelebt"
Agit Kabayel siegt in Runde 3 gegen Damian Knyba mit einem technischen K.o. Bild: @agitkabayel (Instagram)

Kabayel entfacht Box-Euphorie!
Nächster Halt: WM?

Es war ein Boxabend, der Erinnerungen an große Zeiten weckte und zugleich den Blick nach vorn richtete. In der ausverkauften Rudolf-Weber-Arena in Oberhausen setzte Agit Kabayel ein kraftvolles Ausrufezeichen hinter seine Ambitionen im Schwergewicht. Vor 13.000 frenetischen Fans besiegte der ungeschlagene Bochumer den Polen Damian Knyba durch technischen Knock-out in der dritten Runde und verteidigte damit erfolgreich seinen WBC-Interimsgürtel. Mehr noch: Kabayel belebte mit diesem Auftritt die Hoffnung auf einen deutschen Schwergewichtsweltmeister neu.

Agit mi einem Siegerlächeln auf der Pressekonferenz  Bild: @agitkabayel (Instagram)

Für Kabayel war es ein besonderer Abend. Fast drei Jahre lang hatte er in Deutschland keinen Kampf bestritten, seine jüngsten Erfolge feierte er vor allem im Ausland, zuletzt in Saudi-Arabien. Entsprechend groß war die emotionale Bedeutung des Heimauftritts. Die Atmosphäre in der Arena war elektrisierend – und sie wirkte zunächst hemmend auf den Lokalmatador. In der ersten Runde kämpfte Kabayel sichtbar verkrampft. Sein Gegner Knyba, etwa zehn Zentimeter größer, nutzte seine Reichweite clever, hielt den Deutschen auf Distanz und setzte immer wieder präzise Treffer. Ein Cut über Kabayels rechtem Auge zeugte davon, dass der Favorit keineswegs unantastbar war.

Doch Kabayel bewies einmal mehr, warum er zur erweiterten Weltspitze zählt. Ab der zweiten Runde stellte er sich besser auf den Stil des Polen ein, arbeitete konsequenter zum Körper und verkürzte die Distanz. Die anfängliche Nervosität wich der gewohnten Ruhe und Dominanz. In der dritten Runde folgte schließlich der entscheidende Moment: Kabayel erhöhte das Tempo, traf mit harten Kombinationen und setzte Knyba so stark unter Druck, dass der Ringrichter den Kampf abbrechen musste. Technischer Knock-out – ein klares Ende eines Duells, das zunächst schwieriger begonnen hatte, als viele erwartet hatten.

Mit dem Sieg feierte Kabayel seinen 27. Erfolg im 27. Profikampf und verteidigte seinen Interims-WM-Titel des Weltverbands WBC. Doch Zahlen und Gürtel erzählten an diesem Abend nur einen Teil der Geschichte. Mindestens ebenso bedeutsam war die Stimmung in der Halle. Die 13.000 Zuschauer sorgten für eine Kulisse, wie man sie in Deutschland seit Jahren kaum noch erlebt hatte. Ex-Weltmeisterin Regina Halmich sprach von Gänsehaut und zog Parallelen zur „guten alten Boxzeit“, als deutsche Boxabende regelmäßig Massen anzogen.

Tatsächlich war es der größte Boxkampf hierzulande seit über einem Jahrzehnt. Zuletzt hatten noch mehr Zuschauer den Ring betreten sehen, als Wladimir Klitschko gegen Tyson Fury in Düsseldorf verlor. In Oberhausen zeigte sich nun: Das Interesse am Boxen ist noch da, wenn die Geschichte stimmt und die Hoffnung auf große Momente lebt.

Und genau diese Hoffnung verkörpert Agit Kabayel. Nach dem Kampf griff er zum Mikrofon und machte keinen Hehl aus seinem Ziel. Er wolle endlich um die Weltmeisterschaft boxen, rief er den Fans zu – und erntete lautstarken Jubel. Immer wieder hallten „Usyk“-Rufe durch die Arena. Der ukrainische Champion Oleksandr Usyk gilt als Maß aller Dinge im Schwergewicht, und ein Duell zwischen ihm und Kabayel wäre ein sportlicher Höhepunkt von internationalem Rang.

Kabayel selbst zeigte großen Respekt vor dem Ukrainer, machte aber zugleich deutlich, dass er sich bereit fühlt. Ungeschlagen gegen ungeschlagen, deutsche Hoffnung gegen etablierten Superstar, die Konstellation reizt Fans und Experten gleichermaßen. Auch die jüngsten Leistungen des Bochumers sprechen für ihn. In Riad hatte er sich mit drei Knock-out-Siegen gegen hochklassige Gegner in der Weltspitze positioniert, nun bestätigte er diese Form vor heimischem Publikum.

Hinter den Kulissen wird bereits an der Zukunft gearbeitet. Kabayels Management und Promoter drängen auf eine baldige WM-Chance. Ein Kampf in Deutschland gilt als erklärtes Wunschziel – und scheint realistischer denn je. Große Stadien wie in Düsseldorf oder die Arena in Gelsenkirchen werden als mögliche Austragungsorte gehandelt. Für einen Fight gegen Usyk, so die Einschätzung aus dem Umfeld Kabayels, bräuchte es eine Bühne für 70.000 oder mehr Zuschauer. Die Stimmung von Oberhausen habe gezeigt, welches Potenzial vorhanden ist.

Dabei steht Kabayel nicht nur sportlich, sondern auch symbolisch für eine neue Phase des deutschen Boxens. Der Schwergewichtler mit kurdischen Wurzeln betont immer wieder, dass er sowohl Deutschland als auch Kurdistan im Herzen trägt. Viele Fans aus unterschiedlichen Communities fanden an diesem Abend den Weg in die Arena – ein Zeichen dafür, welche verbindende Kraft der Sport entfalten kann.

Trotz aller Euphorie zeigte sich Kabayel nach dem Kampf auch bodenständig. Die intensiven Trainingswochen, die lange Abwesenheit von seiner Familie – all das habe Kraft gekostet. Zunächst freue er sich auf Zeit mit seiner Frau und seiner Tochter. Doch die Perspektive ist klar: Der nächste Schritt soll der ganz große sein.

Ob es bereits in diesem Jahr zum WM-Duell kommt oder ob zuvor noch ein weiterer Überbrückungskampf wartet, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Mit seinem Sieg in Oberhausen hat Agit Kabayel nicht nur einen Gegner bezwungen, sondern auch ein Signal gesendet. Der deutsche Boxsport meldet sich zurück – und mit ihm die Hoffnung auf einen historischen WM-Abend im Schwergewicht.

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Philip C. Nelles

Als Head of Editorial von Sports Mag steht Philip C. Nelles für eine Berichterstattung, die Sport in all seinen Facetten sichtbar macht – kompetent, kritisch und nah dran. Mit langjähriger Erfahrung und einem feinen Gespür für relevante Themen führt er das Magazin redaktionell und inhaltlich.
Ob große Turniere, gesellschaftliche Entwicklungen im Sport oder persönliche Geschichten hinter den Kulissen – seine Artikel verbinden fundierte Recherche mit erzählerischer Tiefe.

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