2 weeks ago

Afrika-Cup 2025/26: Senegal gewinnt spektakulär in der Verlängerung!

Elfmeter-Wahnsinn: Stars von Senegal drohen mit Spielabbruch!
Senegal gewinnt den Afrika-Cup 2025 Bild: @africa_cup2025 via Instagram

Skandal, Drama und ein Panenka für die Ewigkeit

Senegal gewinnt ein historisches Afrika-Cup-Finale gegen Marokko

Bild: @afrika_cup2025 via Instagram

Es war ein Finale, das eigentlich alles hatte, was den Fußball groß macht und zugleich vieles, was ihn an den Rand seiner Glaubwürdigkeit brachte. Der Senegal ist Afrika-Cup-Sieger 2026. Ein nüchtern klingender Satz, der jedoch kaum andeuten kann, was sich an diesem denkwürdigen Abend im Prince Moulay Abdellah Stadium von Rabat ereignete. Beim 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen Gastgeber Marokko schrieb der afrikanische Fußball eines der chaotischsten, emotionalsten und umstrittensten Kapitel seiner Geschichte.

Ein Endspiel, das als sportlicher Höhepunkt geplant war, wurde zu einem Skandaldrama, in dem sich Fehlentscheidungen, Proteste, Tränen und ein unfassbarer Elfmeter zu einer Geschichte verdichteten, die weit über Afrika hinaus diskutiert werden wird.

Ein Finale unter schlechten Vorzeichen

Schon vor dem Anpfiff lag Spannung in der Luft, allerdings nicht nur sportlicher Natur. Die senegalesische Delegation hatte im Vorfeld des Endspiels schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren erhoben. Der Fußballverband FSF sprach offen von „Missständen“ und einer „klaren Benachteiligung“.

Es begann mit einer gefährlichen Situation am Bahnhof, bei der es nach Angaben der Senegalesen an ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen mangelte. Hinzu kam die Unterbringung: Erst nach Beschwerden erhielt die Mannschaft um Kapitän Sadio Mané ein adäquates Hotel. Den größten Unmut aber verursachte die Ticketvergabe. Nur 3.000 Karten standen senegalesischen Fans in einem Stadion mit fast 70.000 Plätzen zur Verfügung – ein Umstand, der sich im Spielverlauf unüberhörbar bemerkbar machen sollte.

Als die Teams den Rasen betraten, war klar: Dieses Finale war mehr als ein sportlicher Vergleich zweier Top-Nationen. Es war ein Spiel unter politischer, emotionaler und atmosphärischer Hochspannung.

Bild: @afrika_cup2025

Pfiffe, Druck und ein zähes Ringen

Von der ersten Minute an rollte eine Wand aus Pfiffen durch das Stadion, sobald ein Spieler des Senegal den Ball berührte. Marokko, getragen von der Euphorie des eigenen Landes, versuchte früh, das Spiel an sich zu reißen. Doch Senegal hielt dagegen, robust, diszipliniert und mit der Erfahrung eines Titelträgers.

Sportlich entwickelte sich eine ausgeglichene Partie. Beide Teams neutralisierten sich über weite Strecken, Torchancen waren selten, aber vorhanden. Marokko setzte auf Ballkontrolle, Senegal auf physische Präsenz und schnelles Umschalten. Dennoch blieb es nach 90 intensiven Minuten beim 0:0.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Das eigentliche Drama hatte gerade erst begonnen.

Eine Nachspielzeit, die alles sprengte

Die reguläre Spielzeit war bereits abgelaufen, als der Senegal jubelte. Nach einer Ecke landete der Ball bei Moussa Niakhaté, der zum vermeintlichen 1:0 einköpfte. Doch der Jubel erstickte sofort. Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala Ngambo hatte bereits abgepfiffen, angeblich wegen eines Fouls an Achraf Hakimi.

Das Problem: Der Pfiff erfolgte, bevor der Ball im Tor war. Ein VAR-Eingriff war damit ausgeschlossen. Die Wiederholungen zeigten später deutlich: Ein Foulspiel lag nicht vor. Für den Senegal ein Schock, für viele Beobachter eine kaum erklärbare Entscheidung.

Und es kam noch schlimmer.

Kurz vor Ablauf der achtminütigen Nachspielzeit griff El Hadj Malick Diouf seinem Gegenspieler Brahim Díaz an den Hals. Der Schiedsrichter ließ zunächst weiterspielen, entschied sich dann aber nach VAR-Studium für einen Elfmeter für Marokko, eine harte, aber regeltechnisch vertretbare Entscheidung.

Für die Senegalesen war das Maß voll.

Protest, Spielabbruch-Drohnung und ein Kapitän greift ein

Trainer Pape Thiaw reagierte emotional. Wütend rief er seine Spieler vom Feld. Teile der Mannschaft machten sich tatsächlich auf den Weg in Richtung Kabine, ein Spielabbruch stand im Raum. Die Ungleichbehandlung, so die Wahrnehmung der Senegalesen, war nicht mehr hinnehmbar: Das eigene Tor war ungeprüft aberkannt worden, der gegnerische Elfmeter hingegen nachträglich überprüft.

Die Diskussionen dauerten Minuten. Im Stadion herrschte Chaos, die Emotionen kochten hoch, Sicherheitskräfte mussten eingreifen.

Dann trat Sadio Mané auf den Plan.

Der Kapitän, Anführer und Star des Teams stellte sich vor seine Mannschaft, sprach auf sie ein und brachte sie zurück auf den Platz. Ein Moment, der später als Wendepunkt dieses Finales gelten sollte.

Der absurdeste Elfmeter der Turniergeschichte

15 Minuten nach dem ursprünglichen Pfiff wurde der Elfmeter tatsächlich ausgeführt, in der 24. Minute der Nachspielzeit. Der Gefoult

Ein am Boden zerstörter Dias nach dem verschossenden Elfmeter Bild: @afrika_cup2025 via Instagram

e selbst, Brahim Díaz, übernahm die Verantwortung. Der Druck war kaum vorstellbar: Finale im eigenen Land, ein ganzes Stadion im Rücken, eine Nation im Ausnahmezustand.

Und dann tat Díaz das Unfassbare.

Er versuchte einen Panenka.

Der Lupfer landete genau in den Armen von Torhüter Edouard Mendy, der regungslos gewartet hatte. Ungläubiges Entsetzen im Stadion, kollektives Schweigen und dann Explosionen der Emotionen auf senegalesischer Seite.

Ein Elfmeter, der sofort Legendenstatus erhielt, allerdings aus den falschen Gründen.

Verlängerung: Senegal nutzt den Moment

Pape Gueye mit dem 1:0 für Senegal Bild: @afrika_cup2025 via Instagram

Marokko wirkte geschockt, Senegal plötzlich entfesselt. In der 94. Minute der Verlängerung nahm sich Pape Gueye ein Herz. Aus 17 Metern zog er ab, der Ball krachte an die Unterlatte und von dort ins Tor. 1:0 für Senegal.

Es war der Lohn für Widerstandsfähigkeit, für mentale Stärke und vielleicht auch für das Chaos zuvor.

Die verbleibenden Minuten wurden zur Abwehrschlacht. Marokko warf alles nach vorne. En-Nesyri verfehlte per Kopf nur knapp das Tor, Aguerd traf die Latte, Bono rettete mit einer spektakulären Doppelparade seine Mannschaft vor der endgültigen Entscheidung.

Doch es reichte nicht mehr.

Afrikas Krone – und ein bitteres Vermächtnis

Als der Schlusspfiff ertönte, brach auf senegalesischer Seite alles heraus. Spieler lagen sich in den Armen, Mané sank zu Boden, Trainer Thiaw jubelte mit erhobenen Fäusten. Senegal ist zum zweiten Mal nach 2022 Afrikameister.

Für Marokko blieb nur Leere. Die Chance auf den ersten Titel seit 50 Jahren – vergeben. Nicht durch einen Gegner allein, sondern durch einen Moment, der für immer nachhallen wird.

Dieses Finale wird Geschichte schreiben. Nicht nur wegen eines Tores in der Verlängerung, sondern wegen all dessen, was diesen Abend überschattete: Fehlentscheidungen, Proteste, ein beinahe abgebrochenes Spiel und ein Panenka, der einen Traum zerstörte.

Der Senegal ist König von Afrika.
Doch dieses Finale wird bleiben als Mahnung, wie schmal der Grat zwischen Fußball-Drama und Fußball-Skandal sein kann.

Hinterlasse eine Antwort

Your email address will not be published.

Recent Comments

No comments to show.

Philip C. Nelles

Als Head of Editorial von Sports Mag steht Philip C. Nelles für eine Berichterstattung, die Sport in all seinen Facetten sichtbar macht – kompetent, kritisch und nah dran. Mit langjähriger Erfahrung und einem feinen Gespür für relevante Themen führt er das Magazin redaktionell und inhaltlich.
Ob große Turniere, gesellschaftliche Entwicklungen im Sport oder persönliche Geschichten hinter den Kulissen – seine Artikel verbinden fundierte Recherche mit erzählerischer Tiefe.

Banner