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WM26 / Brasilen gegen Japan – Brasilien dreht Japan in der Nachspielzeit

Brasilien steht im Achtelfinale der WM 2026. Ein Fehlpass, ein Bundesligaprofi, ein Pfosten in der 58. Minute und ein Tor in der 96. Minute. So geht WM.
Juni 30, 2026
3 Minuten Lesezeit
Brasilien steht im Achtelfinale der WM 2026. Bilder: Via Instagram (Japan, Brasilien, FIFA)

Brasilen gegen Japan: Brasilien dreht Japan in der Nachspielzeit. Ein umkämpftes Spiel!

Wer zuletzt lacht, lacht am besten: Brasilien Jubelt. Japan muss nach Hause. 29. Juni 2026: 68.777 Zuschauer im texanischen Houston, die Anzeigetafel zeigt 90.+6, und Brasilien liegt noch immer 1:1 gegen Japan.

Dann bekommt Bruno Guimarães den Ball am Strafraumrand, sieht links Gabriel Martinelli, passt. Martinelli stoppt mit links, zieht mit rechts ab. Der Ball sitzt. Trainer Carlo Ancelotti nimmt es stoisch hin, kein Aufschrei, kein Jubel, kein Aufspringen. Nur ein knappes Nicken, als hätte er es die ganze Zeit gewusst.

Brasilien steht im Achtelfinale der WM 2026.

Brasilien dreht Japan in der Nachspielzeit: Ein Fehlpass, der alles ins Rollen bringt

Es war das Spiel, das Brasilien nicht spielen wollte. Japan stellte im Vergleich zum Vorrundenspiel auf eine Fünferkette um, verteidigte kompakt und diszipliniert, lauerte auf Konter.

Brasilien passte sich geduldig den Ball zu, kam aber kaum in den Strafraum. Fernschüsse von Matheus Cunha und Bruno Guimarães, der in einem kuriosen Moment Mitspieler Lucas Paquetá ins Gesicht schoss, blieben ohne Erfolg.

Dann kam die 29. Minute. Danilo leistete sich am Mittelkreis einen Fehlpass, und Kaishū Sano vom FSV Mainz 05 fing den Ball ab. Ohne wirklich angegriffen zu werden, trieb er ihn nach vorne, zog kurz vor der Strafraumgrenze ab. Der Ball landete links unten im Netz.

Japan führte 1:0. Sano, Bundesligaprofi und in dieser Szene vollkommen ungedeckt, hatte den WM-Rekordsieger kalt erwischt. Japan zog sich danach noch tiefer zurück, Brasilien blieb weitgehend einfallslos. Mit dem knappen Rückstand ging es in die Pause.

Ancelotti findet (mutmaßlich) die richtigen Worte

Was Carlo Ancelotti in der Halbzeitpause sagte, ist nicht überliefert. Aber die Wirkung war sichtbar. Brasilien kam mit Endrick anstelle von Paquetá aus der Kabine und erhöhte sofort den Druck.

Trainer-Legende Ancelotti führt sein Team eine Runde weiter. Brasilien bleibt im Rennen um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Bild: Screenshot via Instagram @brasil

Japans Torhüter Zion Suzuki, in den USA geboren und an diesem Abend einer der auffälligsten Akteure auf dem Platz, parierte zunächst stark gegen Bruno Guimarães (52.). Zwei Minuten später blockte die japanische Abwehr erneut.

Dann, in der 56. Minute, ließ Suzuki eine Flanke durch, Casemiro stand goldrichtig und köpfte zum 1:1 ein. Der frühere Mittelfeldmann von Manchester United und Real Madrid hatte ausgeglichen.

Brasilien blieb die gefährlichere Mannschaft. In der 58. Minute hatte Vinícius Júnior seinen magischen Moment: Er legte den Ball an der Mittellinie mit einem genialen ersten Kontakt an seinem Gegenspieler vorbei, sprintete los, narrte drei Japaner mit einer Finte im Strafraum und spitzelte den Ball mit dem Außenrist aufs Tor.

Nur die Fingerspitzen von Suzuki verhinderten das Tor, der Ball sprang an den Pfosten. Vinícius war über weite Strecken der Partie nahezu unsichtbar gewesen, doch ein Spieler seiner Qualität braucht manchmal nur einen einzigen Moment. Dieser reichte diesmal nicht. Der Siegtreffer gehörte einem anderen.

Martinelli, die Nachspielzeit und ein stoischer Ancelotti

Als sich die Zuschauer in Houston bereits auf eine Verlängerung einstellten, hatte Bruno Guimarães noch eine Idee. Der Brasilianer bekam den Ball mittig am Strafraumrand, sah links Martinelli und passte.

Was folgte, war das 2:1 in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Martinelli sprintete sofort zu den Auswechselspielern am Seitenrand, die Bank explodierte. Ancelotti rührte sich kaum.

Zu Neymar Jr., der auf der Bank saß und klatschte, seine Hals-Tattoos unter dem Trikot, sagte Ancelotti später gegenüber der Presse: Er habe ihn zur Verlängerung bringen wollen, in der Halbzeitpause bereits mit ihm gesprochen.

„Dann kam der Ausgleich, sonst wäre er in der 60., 65. Minute ins Spiel gekommen.“

Stattdessen brachte er Martinelli, der traf. Neymar wartet weiter auf seinen großen Moment bei dieser WM. Gegen Schottland bekam er ein paar Minuten, seitdem sitzt er. Von einem Startelfeinsatz sei er noch entfernt, so Ancelotti.

Zum Spiel selbst sagte der 67-Jährige, sinngemäß auf Deutsch:

„Wir wollten von Anfang an Druck machen, wir wollten gewinnen. Wir haben dann einen Gegentreffer kassiert, haben aber nicht die Geduld verloren, einfach weitergespielt. Ich denke, der Sieg war verdient.“

In der zweiten Halbzeit habe man mehr fürs Spiel gemacht, das habe sich am Ende ausgezahlt. Stoisch formuliert, wie das Tor selbst aufgenommen worden war.

Brasilien bei der WM26: Was jetzt kommt

Brasilien steht als zweites Team nach Gastgeber Kanada im Achtelfinale. Der Gegner wird entweder Norwegen oder die Elfenbeinküste sein. Das Spiel in Houston fand unter besonderer Sicherheitslage statt: Mehrere US-Medien berichteten, dass das FBI während der Partie eine im Internet kursierende Drohung gegen die Arena untersuchte.

„Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Anhaltspunkte für die Glaubwürdigkeit der Drohung“,

hieß es laut Berichten in einer Mitteilung der Behörde. Das FBI erklärte, es arbeite mit Sicherheitsbehörden auf lokaler, bundesstaatlicher und nationaler Ebene zusammen, um den Urheber zu ermitteln.

Für Brasilien zählt nach dem Schlusspfiff nur das Ergebnis. Ein Fehlpass, ein Bundesligaprofi, ein Pfosten in der 58. Minute und ein Tor in der 96. Minute.

So geht WM. Und so geht’s für Brasilien weiter.

Quellen: Der Spiegel, Die Zeit

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Philip C. Nelles

Als Head of Editorial von Sports Mag steht Philip C. Nelles für eine Berichterstattung, die Sport in all seinen Facetten sichtbar macht – kompetent, kritisch und nah dran. Mit langjähriger Erfahrung und einem feinen Gespür für relevante Themen führt er das Magazin redaktionell und inhaltlich.
Ob große Turniere, gesellschaftliche Entwicklungen im Sport oder persönliche Geschichten hinter den Kulissen – seine Artikel verbinden fundierte Recherche mit erzählerischer Tiefe.

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