Die Leichtathletik-Europameisterschaften 2026 in Birmingham sind sportlich in vollem Gange – doch abseits der Wettkämpfe sorgt die Atmosphäre im Stadion für Diskussionen. Beim Auftakt im Alexander Stadium blieben zahlreiche Plätze leer. Gleichzeitig stoßen die hohen Preise für Tickets und Verpflegung bei Fans und Athleten auf Kritik.
Das Stadion bietet dank zusätzlicher Tribünen rund 23.000 Zuschauern Platz. Zum Auftakt am Montag wurden offiziell 13.623 Besucher gezählt. Besonders auf den großen Tribünen waren dennoch viele freie Plätze zu sehen. Am zweiten Wettkampftag schien das Zuschauerinteresse zwar etwas zuzunehmen, von einer ausverkauften Leichtathletik-Party war Birmingham aber zunächst weit entfernt.
Auch der frühere britische Weltklasseläufer und heutige BBC-Kommentator Steve Cram zeigte sich enttäuscht. Beim 100-Meter-Sieg der britischen Lokalmatadorin Amy Hunt bemerkte er die geringe Zuschauerzahl auf der Gegengeraden. Gerade bei einem Heimsieg hätte er sich eine deutlich stimmungsvollere Kulisse gewünscht.
Für zusätzlichen Ärger sorgen die Eintrittspreise. Die teuersten Tickets auf der Haupttribüne kosten laut britischen Medien umgerechnet knapp 130 Euro. Ab Freitag können die Preise für bestimmte Plätze sogar auf rund 175 Euro steigen. Gleichzeitig sind inzwischen allerdings auch günstigere Abendkarten ab etwa 30 Euro erhältlich.
Auch beim Essen müssen Besucher tief in die Tasche greifen. Ein Hotdog kostet zehn britische Pfund, eine Portion Pommes fünf Pfund zusätzlich. Für beides werden damit umgerechnet mehr als 17,50 Euro fällig. Eine Flasche Wasser schlägt mit etwa 4,60 Euro zu Buche. Immerhin können Besucher ihre eigenen Flaschen kostenlos nachfüllen.

Die Organisatoren weisen unterdessen darauf hin, dass sich die Situation zum Wochenende verbessern dürfte. Für Freitag, Samstag und Sonntag nähere man sich einem voll besetzten Stadion. Zudem könnte das Interesse durch weitere Höhepunkte des Wettkampfprogramms deutlich steigen.
Ein weiteres Problem ist die Bekanntheit der Veranstaltung. Nach Angaben aus dem Umfeld britischer Athleten ist vielen Menschen offenbar gar nicht bewusst, dass die Europameisterschaften erstmals auf britischem Boden stattfinden. Die Verantwortlichen müssen daher nicht nur attraktive Wettkämpfe bieten, sondern auch um Aufmerksamkeit werben.
Für Birmingham geht es dabei um mehr als die Stimmung bei einer einzelnen Europameisterschaft. In Großbritannien wird bereits befürchtet, dass leere Ränge und die Kritik an den Preisen der Bewerbung Londons für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2029 schaden könnten. Neben London bewirbt sich unter anderem München um die Austragung.
Sportlich soll die EM trotzdem zum großen Leichtathletik-Fest werden. Ob die Ränge am Wochenende tatsächlich voll werden und die hohen Preise in den Hintergrund treten, dürfte deshalb auch darüber entscheiden, welches Bild Birmingham von diesen Europameisterschaften hinterlässt.
Quellen: Spiegel.de
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