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Drei Tore, null Zweifel: Deniz Undav und die WM, die ihn aus dem Schatten holt

Deniz Undav Der Mann, den alle lieben
Juni 29, 2026
3 Minuten Lesezeit
Deniz Undav Der Mann, den alle lieben! Bild: Via Instagram @denizundav

Deniz Undav vergleicht das Toreschießen mit einem Toilettengang. Nicht aus Arroganz, eher aus einer Art entspannter Selbstverständlichkeit, die man in dieser Direktheit selten hört.

Denz Undav, Die Jokerrolle, Die Fan-Liebe und die Tore

„Ich höre immer, das sei einzigartig, Gerd Müller, dies und das. Aber für mich ist es, wie auf Toilette zu gehen, das habe ich einfach drin“

, sagte der Stürmer des VfB Stuttgart im Interview mit DFBtv. Drei Tore, zwei Vorlagen in zwei WM-Spielen als Joker. Und das Turnier hat gerade erst begonnen.

Deniz Undav Der Mann, den alle lieben

Deniz Undav Der Mann, den alle lieben! Bild: Via Instagram @denizundav

Undav ist 29. Wer ihn vor diesem Turnier kannte, kannte ihn als soliden Bundesliga-Torjäger, als verlässlichen Baustein im Stuttgarter Angriff, als jemanden, der trifft, ohne dass die Kameras lange auf ihn halten. Er war, wie er es selbst gegenüber DFBtv formuliert,

„immer der Deniz“.

Kein großer Name, kein Gesicht auf den Plakaten. Seit dem Spiel gegen die Elfenbeinküste hat sich das geändert.

„Ich bemerke, dass mein Name überall im Umlauf ist. Damit habe ich nicht gerechnet, weil ich immer übersehen worden bin“,

sagte er.

Drei Tore in zwei Einsätzen als Einwechselspieler: nach dem 7:1 gegen Curaçao und dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste steht Undav in der WM-Torjägerliste neben Lionel Messi, Kylian Mbappé und Erling Haaland.

„Für mich ist es krass, auf der Liste zu sein mit den größten Stars, die wir im Fußball haben“,

sagte er. Messi bezeichnete er dabei als „meinen Lieblingsspieler und den besten Spieler aller Zeiten“. Dass er das ohne jede Ironie sagt, passt zu ihm.

Die Jokerrolle und wie man sie annimmt

Bundestrainer Julian Nagelsmann schickt Undav nicht von Beginn an auf den Platz. Auch gegen Ecuador heute Abend nicht. Undav hat damit, nach eigener Aussage, kein Problem.

„Also wenn es nicht fein wäre, dann wäre ich nicht hier“,

sagte er vor dem Spiel im Finalstadion in East Rutherford, New Jersey. Der Satz klingt lapidar, trägt aber mehr als er wiegt: Es ist die Haltung eines Spielers, der gelernt hat, dass Einsatzzeit kein Recht ist, sondern eine Chance.

„Ich versuche einfach nur guten Input zu bringen, ob es von Anfang an ist oder von der Bank. Es ist das Wichtigste, dass das Team gewinnt“,

sagte Undav weiter. Und dann, mit dem Blick auf das, was diese WM für ihn bedeutet:

„Es ist wie im Traum. Es ist nicht real. Ich habe immer getroffen, aber so, auf der Bühne, international, auf der ganzen Welt, noch nie.“

Podolski urteilt, Podolski lobt, Podolski bleibt Podolski

Wer Undav mit Lukas Podolski vergleicht, dem hat Podolski selbst eine klare Antwort.

„Es gibt keinen zweiten Podolski“,

sagte der frühere Nationalspieler dem Onlineportal T-Online. Der Satz ist so geformt, dass er nur von Podolski kommen kann, was ihn zugleich zur Selbstparodie und zur echten Aussage macht. Podolski war Torjäger, Sprücheklopfer, Fan-Liebling, ein Typ, dem die Leichtigkeit nie abtrainiert werden konnte.

Gewisse Parallelen zu Undav sieht er dennoch.

„Er bringt eine gewisse Lockerheit, Humor und Witz rein. Das ist immer wichtig, unabhängig davon, ob er spielt oder nicht“,

sagte Podolski. Es sei bedeutend,

„dass man verschiedene Typen hat, dass man einen Teamgeist entwickelt und dass man sagt: Jungs, jetzt ist es soweit, jetzt packen wir das Ding.“

Das ist kein Verriss, sondern ein Ritterschlag mit Vorbehalt. Undav darf Undav sein. Nur kein zweiter Podolski.

New York, der Times Square und das Humba

Während Undav im Trainingsgelände seine Jokerrolle ausfüllt, hat das Turnier längst die Straßen erreicht. Bereits am Mittwoch, einen Tag vor dem Spiel gegen Ecuador, versammelten sich laut Kim Staudt vom Spiegel hunderte Deutschland-Fans am Times Square in New York: Perücken, überdimensionale Hüte, selbst gebastelte WM-Pokale, eine aufblasbare Brezel in XXL-Größe. Die Fans feierten, hüpften und sangen „Humba Täterä“. Deutschland hat den Gruppensieg bereits sicher, doch die Energie auf dem Asphalt des Times Square ließ das nicht erahnen.

Deniz Undav Der Mann, den alle lieben! Bild: Via Instagram @denizundav

Das Spiel heute Abend gegen Ecuador, 22 Uhr in East Rutherford, ist sportlich für Deutschland ohne Konsequenz. Ecuador hingegen braucht Punkte, um weiterzukommen. Trainer Sebastian Beccacece rechnet damit, dass 55.000 ecuadorianische Fans das Stadion füllen werden, gesteht aber offen, dass er bei vielen von ihnen keinen Rückhalt hat.

„Es tut mir sehr leid, dass ich es nicht geschafft habe, die Herzen der ecuadorianischen Fans zu gewinnen“,

sagte er durch einen Dolmetscher. Die Mannschaft, die mit einer Serie von 19 ungeschlagenen Spielen ins Turnier gestartet war, hat die Erwartungen bisher nicht erfüllt.

Undav wird heute von der Bank kommen, irgendwann in der zweiten Hälfte, wenn das Spiel seinen Rhythmus gefunden hat. Er wird sich warmlaufen, auf Nagelsmanns Zeichen warten, dann auf den Platz gehen. Und dann, vielleicht, wird er wieder treffen. So selbstverständlich, wie man auf die Toilette geht.

Quellen: Der Spiegel, DFBtv, T-Online, Deutsche Welle

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Sebastian Nelles

Sebastian C. Nelles ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur des Men's Mag – Das Magazin für Männer® sowie Gründer und Herausgeber des Sports Mag – Das Sportmagazin. Als Geschäftsführer (CEO) der übergeordneten NELLES MEDIA ist er zudem für die strategische Leitung der hauseigenen Medien-Marken sowie für das operative Werbe-Geschäft zuständig. Er nimmt Ihre Business-Anfragen gerne entgegen.

Sebastian C. Nelles schreibt in seiner Rolle als Chefredakteur auch selbst über Themen rund um Männlichkeit, Lifestyle, Erfolg, Mode und mehr ...

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