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Olympia-Prämie: 10.000 Dollar an Olympiateilnehmer – Das IOC zahlt erstmals Prämien an Athleten

Was die Olympia-Prämie wirklich wert ist, und für wen
Juni 29, 2026
3 Minuten Lesezeit
Olympia-Prämie: 10.000 Dollar an Olympiateilnehmer. Bild via KI

Pau Gasol hat in seiner Karriere Hunderte Millionen Dollar verdient. Als NBA-Champion und zweifacher Olympia-Silbermedaillengewinner mit Spanien war er einer der bestbezahlten Basketballer seiner Generation.

Dass er es war, der am Rande eines IOC-Sondergipfels in Lausanne erklären musste, warum auch Sportmillionäre künftig Anspruch auf eine olympische Prämie haben, ist eine der kleinen Ironien dieser Woche.

„Sie sind berechtigt, dieses Geld zu empfangen. Sie entscheiden, wie sie damit umgehen. Wir wollen, dass auch sie gewürdigt werden“,

sagte Gasol, heute Vorsitzender der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees. Und dann, fast schon entschuldigend:

„Sie sollten das mit Bedacht nutzen.“

10.000 Dollar an Olympiateilnehmer

Ein Beschluss, 132 Jahre in der Mache

Was das IOC auf seiner 146. Vollversammlung in Lausanne entschieden hat, klingt zunächst wie eine überfällige Selbstverständlichkeit. Alle Olympiateilnehmerinnen und -teilnehmer sollen künftig 10.000 US-Dollar erhalten, umgerechnet rund 8.800 Euro.

Dafür legt die Organisation einen Fonds über 140 Millionen Dollar pro Olympiazyklus auf. Bis zu 14.000 Sportlerinnen und Sportler sollen den Zuschuss beantragen dürfen. Ausgezahlt wird über die Nationalen Olympischen Komitees, die nachweisen müssen, dass die volle Summe tatsächlich bei den Athleten ankommt.

Dass dieser Beschluss 132 Jahre gedauert hat, sagt einiges über das IOC. Die Organisation hatte Preisgelder für Olympiateilnehmer jahrzehntelang abgelehnt, mit dem Verweis auf den olympischen Amateurgedanken, der längst überholt war, bevor er offiziell begraben wurde. Nun also der Schwenk, einstimmig, rückwirkend gültig ab den Winterspielen in Mailand/Cortina.

10.000 Dollar an Olympiateilnehmer: Was die Prämie wirklich wert ist, und für wen

In Deutschland fällt die Reaktion erwartbar positiv aus. Max Hartung, Sprecher des Vorstandes der Stiftung Deutsche Sporthilfe und selbst früherer Fechtweltmeister und Olympiateilnehmer, nannte den Beschluss

„einen bedeutenden Schritt hin zu mehr Wertschätzung für Olympionikinnen und Olympioniken weltweit“.

Hartung hatte sich einst als Gründungspräsident des Vereins Athleten Deutschland für genau diese Art von Beteiligung eingesetzt. Seine Einschätzung gegenüber dem Spiegel:

„Wer es zu den Spielen schafft, investiert Jahre an harter Arbeit, Disziplin und Verzicht, diese Leistung verdient auch eine direkte finanzielle Anerkennung.“

Karin Orgeldinger, ebenfalls aus dem Sporthilfe-Vorstand, ergänzte den praktischen Aspekt:

„Gerade für viele Athletinnen und Athleten kann diese Unterstützung eine spürbare Entlastung bedeuten, sei es zur Sicherung ihrer sportlichen Laufbahn oder mit Blick auf die berufliche Zukunft nach dem Sport.“

Für einen Ruderer oder eine Leichtathletin, die neben dem Training in Teilzeit arbeitet und kaum Sponsorengelder sieht, sind 8.800 Euro kein symbolischer Betrag. Sie sind ein halbes Jahr Miete, ein Trainingsaufenthalt, ein Puffer.

Doch eben dieser Betrag steht auch Fußballprofis, Tennismillionären und Skistars zu. Gasol betonte, dass jeder Sportler die Prämie spenden oder schlicht ablehnen könne. Nicht abgerufene Zuschüsse verblieben im Fonds und sollen zukünftigen Sportlergenerationen zugutekommen.

Das ist die elegante Lösung für ein strukturelles Problem: Das IOC will keine Bedürftigkeitsprüfung einführen, wohl aber den moralischen Druck, der entsteht, wenn ein Weltstar öffentlich 10.000 Dollar einsteckt.

Lausanne, und was das mit Berlin und München zu tun hat

Neben der Prämien-Entscheidung hat das IOC in Lausanne noch eine zweite Weiche gestellt, die in Deutschland mit besonderem Interesse verfolgt wird. Der Modus für die Vergabe künftiger Olympischer Spiele wurde geändert. Es soll künftig eine zusätzliche Prüfphase im Auswahlverfahren geben, und die IOC-Mitglieder bekommen bei der finalen Entscheidung wieder mehr Mitsprache.

Konkret: Die Sommerspiele 2036, für die sich Deutschland bewirbt, sollen erst Mitte 2029 vergeben werden.

Los Angeles und Brisbane hatten ihre Zusagen noch jeweils elf Jahre im Voraus erhalten. Der kürzere Vorlauf könnte Bewerber begünstigen, die wie Deutschland auf bestehende Wettkampfstätten setzen und auf Erfahrungen mit Großveranstaltungen verweisen können, statt auf jahrelange Bauzeit.

Drei Monate vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes bringt das zusätzliche Bewegung in die ohnehin lebhafte Debatte. Am 26. September stimmt der DOSB auf seiner Sonder-Mitgliederversammlung in Baden-Baden darüber ab, ob Berlin, München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum ins Rennen geht. Der DOSB hat beim IOC offiziell Interesse an den Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044 hinterlegt.

10.000 Dollar an Olympiateilnehmer: Was bleibt

Das IOC hat in Lausanne zwei Entscheidungen getroffen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Auf den zweiten hängen sie am selben Faden: dem Versuch einer Organisation, die lange als selbstgefällig und reformresistent galt, wieder Anschluss zu finden, an die Athleten, die ihre Spiele tragen, und an die Städte, die sie ausrichten sollen.

Ob 10.000 Dollar pro Teilnehmer genug sind, um das Vertrauen einer Generation von Sportlerinnen und Sportlern zu gewinnen, die auf Social Media eigene Reichweiten aufgebaut und den Wert ihrer Marke längst selbst berechnet haben, ist eine andere Frage. Gasol hat sie nicht beantwortet. Er hat gesagt, sie sollten das Geld mit Bedacht nutzen. Das ist kein Programm. Aber es ist ein Anfang.

Quellen: Der Spiegel

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