Deutschland scheitert erstmals im WM-Elfmeterschießen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Nationalmannschaft, und es traf ausgerechnet gegen Paraguay.
Deutschland scheidet bei der Weltmeisterschaft im Elfmeterschießen aus, 4:3 nach Verlängerung, gegen einen Außenseiter, der sich über 120 Minuten und ein episches Shoot-out in die letzte Runde der besten 16 geschossen hat.
Kai Havertz entschuldigte sich danach öffentlich. Jonathan Tah schoss drüber. Nick Woltemade wurde gehalten. Und Julian Nagelsmanns Mannschaft fliegt nach Hause, ohne einen einzigen WM-Knockout-Sieg seit 2014 vorweisen zu können.
Deutschland scheitert erstmals im WM-Elfmeterschießen: Was passiert ist
Julio Enciso brachte Paraguay in der ersten Halbzeit in Führung, Havertz glich noch vor dem Abpfiff aus. Soweit, so beherrschbar.
Doch Deutschland lieferte in den ersten 45 Minuten eine blasse Vorstellung: kein einziger Torschuss aufs Gehäuse, 78 Prozent Ballbesitz ohne Ertrag. In der Verlängerung dann die bitterste Szene des Abends: Tahs wuchtiger Kopfball nach einer Ecke wurde per VAR aberkannt, wegen eines als weich bewerteten Fouls von Waldemar Anton an Torhüter Orlando Gill. Ein Treffer, der das Spiel entschieden hätte.
Im Elfmeterschießen scheiterte Havertz als erster Schütze an Gill, der hoch zu seiner Linken parierte. Woltemade wurde ebenfalls gehalten. Tah schoss in der Verlängerung des Shoot-outs über das Tor.
Paraguay hatte zwischendurch selbst zweimal die Chance, das Spiel zu beenden: Antonio Sanabria schoss links am Pfosten vorbei, Manuel Neuer hielt gegen Fabian Balbuena. Jose Canale machte es schließlich mit einem Schuss in den Winkel endgültig: 4:3 für Paraguay.
Die Stimmen danach
Havertz fand nach dem Abpfiff kaum Worte:
„Ich bin etwas sprachlos. Das ist meine zweite Weltmeisterschaft, und beide Male kam nichts dabei heraus. Alles, was ich tun kann, ist mich zu entschuldigen“,
sagte der Arsenal-Stürmer.
Und er schob nach:
„Wir müssen uns selbst kritisch hinterfragen, vor allem die Spieler. Den Trainer lasse ich da bewusst raus.“
Auf der anderen Seite feierte Paraguays Verteidiger Gustavo Gomez den Einzug ins Achtelfinale mit deutlich mehr Leichtigkeit.
„Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Ich bin sehr stolz auf meine Mitspieler, auf die Gruppe. Am meisten beeindruckt mich unser Zusammenhalt. Wir haben eine unglaubliche Stärke, jede Situation anzunehmen. Deutschland wusste, dass sie enorm hart arbeiten müssen, um uns zu schlagen“,
sagte Gomez nach dem Spiel.
WM26: Was das erneut frühe WM-Aus bedeutet
Deutschland hat alle vier WM-Elfmeterschießen vor diesem Abend gewonnen. Diese Bilanz ist Geschichte. Der viermalige Weltmeister wartet nun seit 2014 auf einen einzigen Sieg in einer WM-K.o.-Runde, und dieser Abend macht die Serie offiziell zur Krise.
Paraguay trifft im Achtelfinale auf Frankreich oder Schweden.
Nagelsmann steht vor der Frage, die nach solchen Turnieren immer folgt: ob ein Neuaufbau nötig ist oder ob das System passt und nur die Nerven fehlten. Havertz hat die Antwort schon angedeutet, indem er die Spieler in die Pflicht nahm.
Ob das reicht, um die Diskussion zu beenden, ist eine andere Sache.
Quellen: Sky Sports
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