Fünf Jahre Orlando, fünf Jahre mit dem jüngeren Bruder auf demselben Parkett. Und jetzt? Moritz Wagner, 29, Center, Weltmeister, sitzt mit einem Vertragsende im Nacken und sagt bei Sport1: „Ich gehe mit offenem Herzen in die nächsten Wochen und schaue, wo ich lande.” Kein Hadern, kein Druck. Für jemanden, dessen Karriere gerade durch einen Kreuzbandriss und eine knappe Handvoll Playoff-Minuten gelaufen ist, klingt das bemerkenswert ruhig. Vielleicht ist es das auch.
Die Ruhe eines Mannes, der gelernt hat loszulassen

Was Wagner bei Sport1 sagt, liest sich nicht wie ein PR-Statement. „Natürlich macht man sich Gedanken, aber am Ende kann man viele Dinge nicht kontrollieren. Deshalb versuche ich einfach, meinen Sommer zu genießen.” Und dann, fast beiläufig: „Ich definiere mich inzwischen nicht mehr so sehr über Geld oder Verträge. Was kommt, das kommt.”
Das ist nicht nichts. Die NBA ist eine Liga, in der Free Agency für die meisten Spieler der emotionale Höhepunkt und der nervöseste Moment des Jahres zugleich ist. Wagner, der Berliner, scheint diesen Mechanismus für sich aufgebrochen zu haben. Ob das Gelassenheit ist oder Schutzreflex, lässt sich von außen nicht sagen. Aber es klingt echt.
Fünf Jahre, ein Bruder, eine Frage

Die Geschichte der Wagner-Brüder in Orlando ist eine der schöneren NBA-Erzählungen der letzten Jahre: zwei deutsche Brüder, Franz (24) und Moritz, gemeinsam bei den Magic, gemeinsam in einer Franchise, die sich langsam aus dem Wiederaufbau herausarbeitet. Für Moritz Wagner hatte diese Konstellation lange höchste Priorität. Das ist vorbei, zumindest als Entscheidungskriterium. „Ich spüre nicht mehr dieses Gefühl, wegen der Geschichte mit meinem Bruder unbedingt dorthin zurückzumüssen”, sagt er bei Sport1.
Das ist eine ehrliche Aussage, und sie verändert das Bild. Wer zurückgeht nach Orlando, geht nicht mehr aus Loyalität. Wer geht, geht nicht als Verräter. Wagner hat die Sentimentalität aus der Gleichung genommen, und das macht die Entscheidung, die jetzt kommt, zu einer rein sportlichen.
Ein Kreuzbandriss und seine Konsequenzen
Die vergangene Saison war für Wagner kein leichtes Jahr. Die erste Hälfte verpasste er komplett wegen eines Kreuzbandrisses. Als er zurückkam, schrumpften die Einsatzzeiten. In den Playoffs, sieben Spiele, knapp zwölf Minuten insgesamt. Das sind Zahlen, die nicht für sich selbst sprechen, sondern gegen einen Spieler, der seinen Marktwert im Free-Agency-Sommer verteidigen muss.
Wie sich das auf die Verhandlungen auswirkt, wird sich ab Mittwoch zeigen. Ab 0.00 Uhr MESZ dürfen NBA-Teams offiziell mit vertraglosen Spielern verhandeln. Wagner weiß, was das bedeutet: „Dann können innerhalb von Minuten Entscheidungen fallen.” Minuten, nach Monaten der Ungewissheit.
Was Moritz Wagner in diesen Minuten bekommt, hängt davon ab, wie viele Teams in ihm noch den Center sehen, der er vor dem Kreuzbandriss war. Dass er selbst diese Frage mit offenem Herzen beantwortet, ist der einzige Teil der Geschichte, den er kontrollieren kann.

Quellen: Sport1, Sky Sport
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