Es war kein dramatischer Absturz, kein einziger schwarzer Abend, der alles zerstört hat. Es war eine Häufung: eine enttäuschende erste Halbzeit gegen Curacao, schwache 45 Minuten gegen die Elfenbeinküste, eine ungenügende Leistung gegen Ecuador und schließlich das Aus gegen Paraguay, das sich wie ein Schlusspunkt liest, den niemand so früh erwartet hatte. Julian Nagelsmann, Bundestrainer mit dem wohl bestdotierten Vertrag in der Geschichte des DFB, will nach alledem bleiben. Er wolle nicht davonlaufen, so sein erklärter Wille. Menschlich ist das nachvollziehbar. Sportlich ist es unhaltbar.
Potenzial ist keine Währung

Bild: Via Instagram @dfb_team (DFB/Max Galys)
Nagelsmann ist kein schlechter Trainer. Das ist wichtig zu sagen, bevor man die Konsequenz zieht. Florian Plettenberg von Sky Sport schreibt, dass Nationalspieler seine Inhalte auch in Hintergrundgesprächen loben, dass er nach seiner Zeit beim FC Bayern an seinen Schwächen gearbeitet und sich weiterentwickelt hat. Sein fachliches Potenzial steht außer Frage.
Doch Potenzial ist keine Währung, mit der sich Turniere gewinnen lassen. Nagelsmann hatte die Mittel: eine Heim-Europameisterschaft als einmalige Bühne, danach die Nations League, schließlich die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten. Er hatte einen Kader, der laut Plettenberg sinnvoll zusammengestellt war und homogen wirkte. Dass er auf Serge Gnabry, Hoffnungsträger Lennart Karl und Stammspieler Nico Schlotterbeck verletzungsbedingt verzichten musste, gehört zum Trainerberuf. Das allein erklärt nicht, was auf dem Platz zu sehen war.
Was auf dem Platz zu sehen war: ein langsames, ideenloses Spiel ohne Kreativität. Herausgespielte Torchancen blieben Mangelware. Deutschland ließ sich in Zweikampf um Zweikampf den Schneid abkaufen. Und Nagelsmann schaffte es nicht, die Mannschaft innerhalb weniger Tage mental, körperlich und spielerisch auf das entscheidende Spiel gegen Paraguay einzustellen. Das ist, so schmerzhaft es klingt, die Kernaufgabe eines Bundestrainers.
Die Spieler, die nicht lieferten
Fairness gebietet einen zweiten Blick. Nagelsmann hat Rückhalt gegeben, und trotzdem haben ihm viele Spieler nicht geliefert. Allen voran Florian Wirtz und Jamal Musiala, die zu keiner Phase des Turniers ihre vermeintliche Topqualität unter Beweis stellen konnten. Zwei Spieler, auf die das Land gesetzt hatte, auf die der Bundestrainer gesetzt hatte, die in entscheidenden Momenten unsichtbar blieben. Das ist keine Entlastung für Nagelsmann, aber es ist ein Teil des Bildes, das man nicht wegretuschieren sollte.
Die Verantwortung verteilt sich also. Doch am Ende trägt der Trainer sie zuerst. Für die Vorbereitung, für die Stabilisierung, für die spielerische Idee. Und die hat gefehlt.
Die Frage, die der DFB beantworten muss

Bild: Via Instagram @dfb_team (DFB/Max Galys)
Dass Nagelsmann erklärt, nicht zurücktreten zu wollen, hat nach Einschätzung von Plettenberg auch finanzielle Gründe. Sein Vertrag ist der bestdotierte, den ein Bundestrainer je beim DFB besessen hat. Wenn der Verband bei der Vertragsverlängerung 2025 tatsächlich keine Ausstiegsklausel oder entsprechende Regelung für ein solches Szenario vereinbart hat, müssen sich Andreas Rettig, Rudi Völler und Bernd Neuendorf ebenfalls kritische Fragen gefallen lassen. Dann geht es nicht mehr nur um einen Trainer, der nicht geliefert hat. Dann geht es um eine Führungsstruktur, die sich selbst in die Enge manövriert hat.
Ein Rücktritt wäre, wie Plettenberg schreibt, ein Zeichen von Größe und Verantwortung. Sollte Nagelsmann diesen Schritt nicht gehen, muss der DFB handeln. Wochenlange Analysen braucht es dafür nicht. Die Erkenntnis liegt offen da.
Klopp als Antwort
Und dann ist da noch Jürgen Klopp. Plettenberg nennt ihn den aus seiner Sicht idealen Nachfolger, einen Mann, für den der Posten des Bundestrainers genau die Aufgabe wäre, für die er seine vorgezogene Trainer-Rente beenden würde. Klopp steht für Aufbruch, für Autorität, für eine begeisternde Spielidee und für Erfolg. Eigenschaften, die dem DFB seit Jahren fehlen. Vor allem aber steht er für etwas, das sich nicht kaufen lässt: die Fähigkeit, ein Land hinter einer Mannschaft zu versammeln.
Der deutsche Fußball hat gerade einen Tiefpunkt erlebt, für den es derzeit keine überzeugende Erklärung gibt. Was es gibt, ist eine Richtung. Und die zeigt, wenn man Plettenbergs Analyse folgt, klar in eine Adresse: Jürgen Klopp.
Quellen: Sky Sport
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