Stephen Curry verdiente in der Saison 2025/26 nominell 59,8 Millionen Dollar. Was tatsächlich auf seinem Konto ankam, waren 56,5 Millionen. Die Differenz von 3,3 Millionen fließt ins sogenannte Escrow-Konto der NBA, ein Mechanismus, der seit 1999 sicherstellt, dass Spieler und Eigentümer am Ende der Saison genau ihren vereinbarten Anteil am Gesamtumsatz erhalten. Dass die Liga gerade ihren höchsten Basketball-Umsatz aller Zeiten meldet und Spieler trotzdem Geld zurückgeben, klingt nach einem Widerspruch. Es ist keiner. Es ist Arithmetik.
Die Datenlage

Die NBA hat die finale Abrechnung für 2025/26 veröffentlicht. Das sogenannte Basketball Related Income, kurz BRI, lag bei 11,68 Milliarden Dollar. Im Vorjahr waren es 10,25 Milliarden. Ein Zuwachs von knapp 14 Prozent in einer einzigen Saison.
Der Kollektivvertrag zwischen Liga und Spielergewerkschaft sieht vor, dass Spieler 51 Prozent des BRI in Form von Gehältern und Leistungen erhalten. Um diese Aufteilung zu garantieren, behält die NBA jedes Jahr 10 Prozent der Spielergehälter ein und legt das Geld in einen gemeinsamen Topf. Die Gesamtgehälter und Leistungen für 2025/26 summierten sich laut Sportico auf 6,27 Milliarden Dollar, was die 51-Prozent-Schwelle überschreitet. Das Escrow-Konto, rund 580 Millionen Dollar, wurde deshalb so aufgeteilt, dass 54,8 Prozent an die Eigentümer und 45,2 Prozent an die Spieler zurückflossen. Unter dem Strich bedeutet das einen effektiven Abzug von 5,5 Prozent auf jeden ausgehandelten Vertrag. Ein Spieler mit einem 20-Millionen-Vertrag nahm 18,9 Millionen mit nach Hause. Zuerst berichtete Eric Pincus auf seinem Substack über die Escrow-Aufteilung.
Was die Zahlen im Kontext zeigen
Der Rückbehalt von 5,5 Prozent klingt moderat, und im historischen Vergleich ist er das auch. Das Escrow-System wurde 1999 eingeführt und traditionell zwischen 8 und 10 Prozent der Spielervergütung angesetzt. In drei aufeinanderfolgenden Saisons ab 2014/15 bekamen Spieler nicht nur 100 Prozent zurück, sondern erhielten sogar Nachzahlungen, weil die Einnahmen damals so stark stiegen, dass die Aufteilung zugunsten der Spieler kippte. Vergangene Saison flossen mehr als 90 Prozent des Escrow-Kontos an die Eigentümer zurück, weil die Spielergehälter im Verhältnis zur Umsatzentwicklung zu hoch waren.
2025/26 war das erste Jahr unter dem neuen Medienvertrag der NBA, einem 11-Jahres-Deal im Wert von 76 Milliarden Dollar. Dieser Vertrag ist der entscheidende Treiber hinter dem BRI-Sprung. Zusätzlich half der Finalsieg der New York Knicks, die als großer Markt erheblich mehr Werbeeinnahmen generieren als das Vorjahrsfinale zwischen Oklahoma City Thunder und Indiana Pacers. Gegenläufig wirkte der anhaltende Zerfall des regionalen Sportfernsehmarkts in den USA, der die Gesamteinnahmen nach unten drückte.

Wo das System seine Grenzen zeigt
Das Escrow-Modell der NBA ist im direkten Vergleich mit anderen Ligen deutlich spielerfreundlicher. Die NHL hat ein strukturell ähnliches System, das jahrelang zu massiven Abzügen führte. Vor der COVID-19-Pandemie zahlten Eishockey-Profis sechs Saisons in Folge mindestens 10 Prozent ihres Gehalts ins Escrow ein, Tendenz steigend. In der Saison 2025/26 behielt die NHL erstmals keinen Cent zurück, weil das Hockeygeschäft boomt und die Aufteilung stimmte. Für die NHL-Spieler war das eine Ausnahme nach Jahren der Entbehrung. Für NBA-Spieler ist ein ausgeglichenes Escrow-Ergebnis eher die Regel.
Dennoch zeigt der aktuelle NBA-Abzug eine strukturelle Spannung. Die Gesamtgehälter wuchsen schneller als der BRI, weil die Verträge auf Basis von Projektionen abgeschlossen werden, die nicht immer mit der Realität übereinstimmen. 60 NBA-Spieler verdienten in der Saison 2025/26 mindestens 30 Millionen Dollar, fast doppelt so viele wie in der NFL. Der durchschnittliche NBA-Lohn liegt laut Sportico über 10 Millionen Dollar. Diese Zahlen machen die NBA zur lukrativsten Teamsport-Liga der Welt für Spieler. Aber je höher die Verträge klettern, desto größer wird das Risiko, dass das Escrow-System beim Jahresabschluss zugunsten der Eigentümer kippt.
Was daraus folgt
Der Salary Cap für 2026/27 steht bei 164,96 Millionen Dollar, ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber den 154,6 Millionen der laufenden Saison. Für 2027/28 wird bereits ein Wert von 174 Millionen projiziert, ein weiterer Anstieg von 5,5 Prozent. Diese Zahlen spiegeln das Vertrauen der Liga in die Tragfähigkeit des neuen Medienvertrags wider.

Für Spieler und ihre Agenten bedeutet das konkret: Die Verträge, die jetzt ausgehandelt werden, basieren auf einer Cap-Entwicklung, die vom 76-Milliarden-Deal abhängt. Solange die Medieneinnahmen liefern, was versprochen wurde, bleibt das Escrow-System ein überschaubares Instrument der Feinabstimmung. Wenn die Streaming-Plattformen und Netzwerke ihre Verträge nicht erfüllen oder der regionale Fernsehmarkt weiter erodiert, kann sich das Verhältnis schnell verschieben. Curry, Embiid und Jokic geben in dieser Saison zusammen rund 9,3 Millionen ab. In einer Liga, die 11,68 Milliarden einnimmt, ist das eine Fußnote. Es ist aber auch ein präzises Barometer dafür, wie gut die Prognosen mit der Wirklichkeit übereinstimmen.
Quellen: Sportico
Folge uns für mehr Insights aus Sport & Lifestyle.
Aktuelle Schlagzeilen
- 01
- 02
- 03
- 04
- 05
