Mehr Spiele als je zuvor, mehr Chancen für das Außergewöhnliche. Die WM 2026 in Nordamerika hat bislang eine Reihe von Treffern geliefert, die weit über das Handwerkliche hinausgehen. Distanzraketen, Sololäufe mit dem Ball am Fuß, fein herausgespielte Mannschaftstreffer. Und das Bemerkenswerte daran: Die spektakulärsten Momente kamen längst nicht nur von den erwartbaren Namen.
Messi eröffnet, wie Messi eben eröffnet
Lionel Messi, achtmaliger Ballon-d’Or-Gewinner, ist in Nordamerika angekommen, als hätte er nie aufgehört. Im Auftaktspiel gegen Algerien traf er dreifach, doch sein erstes Tor war das prägende: In der 17. Minute sammelte er den Ball tief im algerischen Territorium auf, drehte sich, trieb Richtung Strafraum und schoss aus der Bewegung heraus an Luca Zidane vorbei. Der Ball dippte und kurvte ins obere Eck. Ein Treffer, der keine Ankündigung brauchte.

Kurz zuvor war ihm noch ein Tor wegen Abseits aberkannt worden. Messi ließ sich davon nicht beirren. Selten hat man so klar gesehen, dass ein Spieler in einem Turnier angekommen ist.
Alajbegovic, 18 Jahre, und ein Tor, das Bosnien in die K.o.-Runde schoss
Kerim Alajbegovic ist 18 Jahre alt und spielte für Bosnien-Herzegowina gegen Katar so, als wäre er seit Jahren Stammkraft bei einem Topklub. Der Teenager tanzte sich durch mehrere weisse Trikots, mit der Enge und Eleganz, die man sonst nur bei einem argentinischen Weltstar kennt, und zog dann aus 25 Metern ab. Der Ball krachte in den nahen Pfosten und von dort ins Netz.
Das 1:0 in einem Spiel, das Bosnien-Herzegowina 3:1 gewann und dem Land erstmals als unabhängigem Staat den Einzug in die K.o.-Runde sicherte. Alajbegovic‘ Tor war nicht nur schön. Es hatte Gewicht.
Mbappe aus 30 Metern, und Senegal konnte nur zusehen
Kylian Mbappe hebt sein Niveau bei Weltmeisterschaften noch einmal an. Im Auftaktspiel gegen Senegal, das Frankreich 3:1 gewann, traf er zweimal. Sein erstes Tor war klinisch, vorbereitet von einem starken Pass von Michael Olise. Sein zweites war von einer anderen Kategorie.

In der Nachspielzeit, kurz nachdem Senegal auf 2:1 verkürzt hatte, nahm Mbappe einen losen Ball in der Feldmitte auf und hämmerte ihn aus knapp 30 Metern ins Netz. Torwart Edouard Mendy war machtlos. Mbappe hat bei Weltmeisterschaften schon spektakuläre Tore erzielt, darunter eines im Finale mit 19 Jahren. Laut Sports Illustrated war dieses hier womöglich sein ästhetisch schönstes. Schwer zu widersprechen.
Haiti, Wilson Isidor und ein Tor, das bleibt
Haiti war vor dem dritten Gruppenspiel gegen Marokko bereits ausgeschieden. Zwei torlose Niederlagen gegen Schottland und Brasilien lagen hinter dem Team. Was folgte, war trotzdem etwas, das die Weltmeisterschaft in Erinnerung behalten wird.
Wilson Isidor, der erst im März seine internationale Loyalität zu Haiti erklärt hatte, schoss einen Stürmertraum: millimetergenau, mit voller Wucht, an Yassine Bounou vorbei. Der Sunderland-Stürmer stand nicht auf der Liste der Namen, die man vor dem Turnier kannte. Haiti hat in seiner gesamten WM-Geschichte laut Sports Illustrated nur vier Tore erzielt. Keines davon so.
Sidny Lopes Cabral und der Moment, für den die WM gemacht ist
Kap Verde war die Geschichte dieses Turniers. Die Außenseiter aus dem Atlantik hielten Titelverteidiger Argentinien bis in die Verlängerung, verloren am Ende 2:3 nach einem unglücklichen Eigentor. Ihr zweites Tor aber, das Ausgleichstreffer in der Verlängerung, gehört zu den schönsten des gesamten Turniers.

Trabzonspor-Linksverteidiger Sidny Lopes Cabral nahm den Ball, zog nach innen und curlte ihn aus dem linken Bereich des Strafraums prazise in den oberen Winkel. Emiliano Martinez, einer der besten Torhüter der Welt, stand da und konnte nichts tun. Was danach kam, war mindestens so unvergesslich wie das Tor selbst: Cabral sprintete bis zur Mittellinie zuruck, fand seinen Partner auf der Tribüne und umarmte ihn. Genau dafür gibt es Weltmeisterschaften.
Quellen: Sports Illustrated
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