Nach dem 2:2 im Champions-League-Duell mit Arsenal sorgt Jürgen Klopp mit ungewöhnlich offenen Aussagen über die Bayern-Taktik für Gesprächsstoff. Besonders die Rolle von Harry Kane wirft beim Bundestrainer Fragen auf. Vincent Kompany reagiert demonstrativ gelassen.
Das Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern München und dem FC Arsenal bot nicht nur auf dem Platz reichlich Gesprächsstoff. Nach dem 2:2 rückte vor allem die taktische Ausrichtung des deutschen Rekordmeisters in den Mittelpunkt. Ausgerechnet Bundestrainer Jürgen Klopp, der als einer der profiliertesten Taktikexperten des internationalen Fußballs gilt, räumte im TV-Interview ein, Bayerns Defensivverhalten bislang nicht vollständig durchschaut zu haben.
Klopp nimmt Bayerns Defensivkonzept unter die Lupe
In der Halbzeitpause der Begegnung überraschte Klopp mit einer bemerkenswert offenen Einschätzung. „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht“, erklärte der Bundestrainer mit einem Schmunzeln. Dabei verwies er auf die wechselnden Abläufe im Münchner Pressing, das mal hybrid, mal mannorientiert und dann wieder anders organisiert sei.

Klopp machte deutlich, dass er die taktischen Überlegungen von Trainer Vincent Kompany keineswegs grundsätzlich infrage stellen wolle. Vielmehr sei er weiterhin daran interessiert, neue Ansätze zu verstehen und seine eigenen Erkenntnisse zu erweitern.
Besonders eine Personalie beschäftigt ihn dabei: Harry Kane. Der englische Torjäger bewegt sich nicht ausschließlich im vorderen Drittel, sondern schaltet sich teilweise weit in die eigene Hälfte in die Defensivarbeit ein. Während Klopp diese Bewegungsfreiheit mit Ball durchaus nachvollziehen kann, stellt sich für ihn die Frage, wie sie sich gegen den Ball in das gesamte Pressingsystem einfügt.
Kompany vermeidet eine öffentliche Debatte
Auf der Pressekonferenz nach dem Unentschieden wurde Kompany mit den Aussagen des Bundestrainers konfrontiert. Der Bayern-Coach entschied sich jedoch gegen eine ausführliche taktische Erklärung und machte unmissverständlich klar, dass er sich auf keine öffentliche Diskussion einlassen möchte.
„Dazu sage ich nichts. Nächste Frage“, lautete seine knappe Antwort.
Damit vermied Kompany eine direkte Auseinandersetzung mit Klopp. Ob hinter der Reaktion bewusste Zurückhaltung oder schlicht der Wunsch stand, die taktischen Details seiner Mannschaft nicht öffentlich auszubreiten, blieb offen. Eine inhaltliche Bewertung von Klopps Analyse lieferte der Belgier jedenfalls nicht.

Kimmich bleibt für Klopp gesetzt
Neben der Bayern-Taktik beschäftigte Klopp auch die Diskussion um die Besetzung des deutschen Mittelfelds. Dabei ging es insbesondere um die Doppelsechs, die gegen Arsenal von Tom Bischof und Aleksandar Pavlovic gebildet wurde. Joshua Kimmich fehlte aufgrund eines Trauerfalls in seiner Familie.
Klopp wollte sich deshalb zunächst nicht näher zu dieser Konstellation äußern. Eine ausführliche taktische Bewertung hätte seiner Ansicht nach unweigerlich neue Spekulationen über Kimmichs Rolle ausgelöst. Das hielt er angesichts der persönlichen Umstände für unangemessen.
An der Bedeutung des Bayern-Profis für die Nationalmannschaft ließ der Bundestrainer allerdings keinen Zweifel. Kimmich sei ein überragender Mittelfeldspieler, der in seiner Mannschaft immer einen Platz haben werde. Zugleich betonte Klopp, dass Deutschland auf dieser Position möglichst mehrere hochklassige Alternativen brauche.
Ein Unentschieden mit taktischem Nachspiel
Das 2:2 zwischen Bayern und Arsenal hat damit auch abseits des Rasens eine Diskussion angestoßen. Während Kompany seine taktischen Überlegungen nicht öffentlich erläutern wollte, zeigte sich Klopp neugierig auf ein System, das selbst für einen erfahrenen Fußballfachmann nicht in allen Details nachvollziehbar ist.

Gerade die flexible Rolle von Harry Kane verdeutlicht, wie anspruchsvoll moderne Pressingkonzepte geworden sind. Ständige Positionswechsel und wechselnde Zuordnungen können gegnerische Mannschaften vor erhebliche Probleme stellen – verlangen aber auch innerhalb des eigenen Teams ein hohes Maß an Abstimmung.
Klopps Aussagen sind weniger als offene Abrechnung mit dem FC Bayern zu verstehen, sondern vielmehr als Ausdruck taktischer Neugier. Kompany wiederum lässt sich nicht in die Karten schauen. Das Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Fußballpersönlichkeiten liefert damit eine spannende Debatte über moderne Spielsysteme – und dürfte die Diskussion über Bayerns taktische Flexibilität weiter anheizen.
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