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„Keine Weltklasse, kein Rückgrat“: So rechneten Kroos und Ballack nach dem frühen WM-Aus mit dem DFB-Team ab

Juli 13, 2026
2 Minuten Lesezeit
Bild: Instagram via @toni.kr8s

Toni Kroos hat keine Geduld mehr für Beschönigung. In seiner TikTok-Sendung „Kroos & Kroos: die WM unter der Lupe” sagt er es so direkt, wie es selten jemand aus dem inneren Zirkel des deutschen Fußballs sagt: „Wir haben aktuell keinen einzigen Weltklasse-Spieler.” Kein Konjunktiv, kein Abfedern. Und Michael Ballack, einstiger Kapitän der Nationalmannschaft, pflichtet von einer anderen Seite bei: Was fehle, seien nicht nur Ausnahmekönner, sondern die Grundlagen, auf denen deutsches Turniergeschäft jahrzehntelang gebaut war. Zwei Männer, die gemeinsam mehr WM-Turniere erlebt haben als die meisten deutschen Trainer der letzten zwanzig Jahre, ziehen eine Bilanz, die wehtut.

Keine Weltklasse, nirgends

Kroos wählt seine Worte mit der Präzision eines Mannes, der 2014 selbst in der Torschützenliste stand, wo er hingehörte. Die Weltklasse-Spieler, sagt er in seiner Sendung, entscheiden gerade die WM-Spiele. Sie stehen in den Statistiken, weil sie dort hingehören. Deutschland hat keinen davon. „Wir haben Spieler mit Weltklasse-Potenzial”, ergänzt er, „das heißt aber noch lange nicht, dass sie Weltklasse sind.”

Der Unterschied zwischen Potenzial und Weltklasse ist kein semantischer. Er ist der Unterschied zwischen einem Spieler, der in einem guten Vereinsspiel glänzt, und einem, der in der K.o.-Runde einer Weltmeisterschaft den Ball nimmt, wenn es zählt. Kroos kennt dieses Gefühl aus eigener Erfahrung: Bei erfolgreichen Turnieren habe er „immer das Gefühl” gehabt, „du kannst einen Gang hochschalten”. Dazu sei die aktuelle Mannschaft „nicht mehr in der Lage”. Warum? Kroos nennt zwei Möglichkeiten: Unsicherheit oder Selbstüberschätzung. „Wir glauben, dass wir besser sind als Paraguay, wir werden schon irgendwie gewinnen.” Dieses „irgendwie” ist das Problem. Weltklasse-Spieler gewinnen nicht irgendwie. Sie wissen, wie.

Bild: Instagram via @toni.kr8s

Das Kartenhäuschen

Ballack setzt an einem anderen Punkt an, der aber zum selben Befund führt. Was er vermisst, sind keine Dribbelkünstler oder Torjäger, sondern etwas, das sich schwerer messen lässt: „Unsere Tugenden, die Deutschland immer ausgezeichnet haben, sind ein bisschen verloren gegangen”, sagt der einstige DFB-Kapitän. Die Mannschaft fange gut an, habe zehn, zwanzig gute Minuten, schieße vielleicht sogar das Tor. Dann kommt der erste Gegentreffer, der erste Fehler, und alles bricht zusammen. „Da fragst du dich: warum?”

Die Antwort führe, so Ballack, „nicht unbedingt” zum Trainer, „sondern vor allem” zu den Spielern. Ein Trainer sei wichtig, doch die Spieler müssten auf dem Platz selbst regeln, was geregelt werden muss. „Diese Selbstverantwortung muss und sollte einfach da sein.” Und dann sagt Ballack einen Satz, der in seiner Schlichtheit sitzt: „Wenn die Jungs sich in die Augen gucken, dann weißt du, auf wen du dich verlassen kannst, beziehungsweise welche Knöpfe du drücken musst.” Dieses gegenseitige Kennen, dieses Wissen im Moment der Krise, fehlt offenbar. Nicht im Training, nicht in der Theorie. Sondern genau dann, wenn es darauf ankommt.

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Bild: Via Instagram @dfb_team (DFB/Max Galys)

Was diese Kritik schwerer wiegt als andere

Kroos und Ballack sind nicht irgendwelche Kommentatoren. Kroos hat mit der Nationalmannschaft 2014 in Brasilien gewonnen, hat in Real Madrid Champions-League-Abende erlebt, an denen Weltklasse keine Übertreibung war, sondern Jobbeschreibung. Ballack war über Jahre das Gesicht einer Mannschaft, die mit weniger Talent weiter kam als manche erwarteten, eben weil die Tugenden stimmten, die er jetzt vermisst. Wenn diese beiden sagen, dass etwas fehlt, ist das kein Generationenvorwurf eines Nostalgikers. Es ist eine Diagnose von Männern, die den Unterschied kennen, weil sie ihn selbst verkörpert haben.

Bild: Instagram via @michaelballackofficial

Was bleibt, ist eine Frage, auf die weder Kroos noch Ballack eine fertige Antwort liefern: Wie kommt Selbstverantwortung zurück in eine Mannschaft, die sie verloren hat? Systeme kann man bauen, Taktiken einschleifen, Kader umbauen. Aber das Gefühl, in einem entscheidenden Spiel einen Gang hochschalten zu können, das lässt sich nicht anordnen. Es muss da sein. Und im Sommer 2026, an dieser Weltmeisterschaft, war es das nicht.

Quellen: Sky Sport

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