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Ferrari Luce: 1.050 PS, 550.000 Euro, kein Sound mehr

Juli 9, 2026
2 Minuten Lesezeit
Ferrari Luce - Ferrari.com

Es ist das Auto, auf das viele gewartet haben, und gleichzeitig das Auto, das viele nicht wollten. Der Ferrari Luce ist vollelektrisch, wiegt 2.260 Kilogramm, kostet rund 550.000 Euro und beschleunigt in 2,5 Sekunden auf 100 km/h. Er macht dabei keinen Laut, der an einen Ferrari erinnert. Kein V12, kein Fauchen, kein Crescendo beim Hochdrehen. Was er stattdessen bietet, ist eine technische Architektur, die selbst im Luxussegment ihresgleichen sucht, und eine Frage, die Maranello damit offen in den Raum stellt: Was ist Ferrari eigentlich, wenn man den Motor wegnimmt?

Die Zahlen, die zählen

Ferrari Luce – Ferrari.com

Vier Elektromotoren, 800-Volt-Architektur, 772 kW Systemleistung. Das ergibt 1.050 PS, eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h und einen Sprint, der die meisten Sportwagen alt aussehen lässt. Die Batterie fasst 122 kWh brutto, die WLTP-Reichweite liegt bei bis zu 530 Kilometern. Wer schnell laden will, bekommt bis zu 350 kW Ladeleistung, was den Akku laut auto motor und sport in 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringt. Das sind keine Kompromisswerte. Das ist State of the Art, ausformuliert in Maranello-Prosa.

Zum Vergleich: Der Tesla Model S Plaid kommt mit drei Motoren auf 750 kW und 1.020 PS, bietet eine Reichweite von rund 600 Kilometern und kostet etwa 110.000 Euro. Beim Gewicht liegen beide Autos nah beieinander. Wer also fragt, ob der Luce das bessere Elektroauto ist, bekommt keine eindeutige Antwort. Wer fragt, ob er das exklusivere ist, schon.

Innen: Ferrari denkt, Tesla streicht

Im Cockpit zeigt sich, was die beiden Marken voneinander trennt, und das ist mehr als Preis und Prestige. Ferrari setzt im Luce auf eine Kombination aus digitalen Anzeigen und haptischen Bedienelementen. Schalter, die sich anfassen lassen. Oberflächen, die auf Druck reagieren. Ein Interieur, das an klassische Sportwagen erinnert, ohne deren Ergonomie zu kopieren. Tesla geht den entgegengesetzten Weg: ein zentraler Touchscreen, so wenig Physisches wie möglich, Reduktion als Designprinzip.

Wer recht hat, hängt davon ab, wen man fragt. Technikaffine Käufer, die Effizienz über Tradition stellen, landen bei Tesla. Wer ein Fahrerlebnis sucht, das sich nach Ferrari anfühlen soll, auch wenn kein Verbrenner mehr darunter steckt, bekommt mit dem Luce ein Argument. Zwei Philosophien, zwei Zielgruppen, kein gemeinsamer Nenner.

Ferrari Luce – Ferrari.com

Was Maranello wirklich plant

Der Luce ist kein Abschied vom Verbrenner. Das macht Ferrari selbst deutlich: Bis 2030 sollen Elektroautos laut auto motor und sport nur rund 20 Prozent der Modellpalette ausmachen. Verbrenner und Hybride bleiben dominant. Der Luce soll keine bestehenden Modelle ersetzen, sondern neue Kunden ansprechen, die Luxus und Performance wollen, ohne Kompromisse bei der Alltagstauglichkeit einzugehen. Eine Multi-Energy-Strategie, die Ferrari Spielraum lässt, ohne die Stammkundschaft zu verprellen.

Ob das aufgeht, ist eine andere Frage. Denn die Reaktionen auf den Luce sind gespalten. In sozialen Medien laufen Diskussionen, die sich weniger um Ladeleistung drehen als um Identität: Was darf Ferrari sein? Wer das futuristische Design feiert, sieht im Luce ein mutiges Statement. Wer den Verlust des typischen Ferrari-Klangs beklagt, nennt ihn einen Fehltritt. Beide Lager haben Argumente. Beide haben Recht, je nach Perspektive.

Der deutsche Markt und was er will

Ferrari Luce – Ferrari.com

Für Käufer in Deutschland spielen neben Leistung auch Reichweite und Ladeinfrastruktur eine Rolle. Mehr als 500 Kilometer WLTP und 21 Minuten bis 80 Prozent Ladung sind Werte, die den Alltag abdecken, auch auf langen Autobahnstrecken. Der Luce konkurriert dabei nicht nur mit dem Model S Plaid, sondern auch mit dem Porsche Taycan, der im deutschen Markt seit Jahren als Maßstab für elektrische Sportlichkeit gilt.

Mit 550.000 Euro Einstiegspreis spielt der Luce in einer Liga, in der Alltagstauglichkeit zwar zählt, aber nicht entscheidet. Wer einen Luce kauft, kauft kein Pendlerauto. Er kauft eine Aussage. Dass Ferrari diese Aussage jetzt auch elektrisch formulieren kann, ohne dabei technisch zurückzustecken, ist das eigentlich Interessante an diesem Fahrzeug. Nicht die PS-Zahl. Nicht der Preis. Sondern die Tatsache, dass Maranello offenbar bereit ist, seine eigene Frage zu beantworten, auch wenn die Antwort nicht jedem gefällt.

Quellen: auto motor und sport

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