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George Russell und die Ruhe vor dem Sturm

Juli 2, 2026
3 Minuten Lesezeit
Quelle: Instagram @mercedesamgf1

Es war Donnerstag in Spielberg, 25. Juni, Pressekonferenz vor dem Österreich-Grand-Prix. George Russell saß am Tisch, sprach über Frontflügel-Defekte, Batterie-Ausfälle und Lewis Hamilton, der gerade so fährt, als hätte er nie aufgehört. Und mittendrin, fast beiläufig, sagte der 28-Jährige gegenüber englischen Medien diesen Satz: „Ich werde deshalb nicht meinen Schlaf verlieren.“ Über die Ausfälle nicht. Über die Gerüchte nicht. Über gar nichts. Ob das Selbstvertrauen ist oder Selbstschutz, lässt sich von außen schwer sagen.

Vom Bilderbuch-Start zum Realitäts-Check

Quelle: Instagram via @georgerussell63

Der Beginn dieser Saison war eine andere Geschichte. Nach dem ersten Grand Prix in Australien am 8. März klang Russell noch wie jemand, dem die Welt gehört: „Ich liebe dieses Auto. Ich liebe diesen Motor.“ Zwei Sätze, die nach einem Premierensieg klingen, nach einem Mann im richtigen Auto zur richtigen Zeit. Seitdem ist viel passiert, und das meiste davon war nicht gut für ihn.

Seit dem Monaco-Grand-Prix am 7. Juni steht Russell nur noch auf WM-Rang drei. Zwei Nullrunden, technische Defekte, und in Barcelona ein Frontflügel-Problem, das ihm den sicher geglaubten Sieg kostete. „Es war ein Realitäts-Check“, sagte er selbst auf der Donnerstags-Pressekonferenz in Spielberg. Ferrari, das er noch zu Saisonbeginn hinter sich wähnte, war in Spanien plötzlich näher dran, was die Geraden-Geschwindigkeit angeht. Und Hamilton fuhr davon. Sein alter Teamkollege, sein Landsmann, inzwischen sein härtester Gegner.

Die Upgrade-Frage und das Timing-Problem

Russell hat eine Erklärung für den Ferrari-Aufschwung, die zugleich eine ehrliche Selbstbeschreibung des eigenen Teams ist. „Ferrari bringt auch immer neue Teile. Und jedes Mal, wenn du neue Teile bringst, machst du Fortschritte“, sagte er in Spielberg. Mercedes hat ebenfalls upgegraded, unter anderem in Kanada Mitte Mai. Doch Ferrari und McLaren, so Russell, bringen alle paar Rennen neue Pakete.

Kritik am eigenen Team ist das allerdings nicht, zumindest nicht direkt. „Es ist nicht so leicht, dauernd Upgrades zu bringen wegen der Budgetgrenze. Es geht auch darum, zum richtigen Zeitpunkt die Updates zu bringen“, erläuterte er die Strategie der Silberpfeile. Das klingt nach einem Fahrer, der die Mechanismen des Sports versteht, der weiß, dass Ressourcen-Verteilung über Meisterschaften entscheidet. Und der trotzdem weiß, dass er gerade auf der falschen Seite dieser Gleichung steht.

In Österreich bringt Ferrari das erste Motor-Upgrade der Saison, das ihm laut des ADUO-Mechanismus zusteht. Ein kleines Leistungsplus, kein Quantensprung. Die in Italien kursierenden Zahlen von 20 PS Mehrleistung hält die Branche für übertrieben. Dennoch: Nach dem Barcelona-Sieg muss man die Scuderia ernst nehmen, und Russell tut das auch. „Ferrari kommt“, sagte er schlicht.

Hamilton, Antonelli und die neue WM-Arithmetik

Zu Saisonbeginn sah die WM nach einem Mercedes-internen Zweikampf aus: Russell gegen Kimi Antonelli, der Routinier gegen das Talent. Inzwischen hat sich das Feld verschoben. Antonelli führt die WM noch mit 41 Punkten Vorsprung auf Hamilton an, trotz seines Ausfalls in Barcelona. Wäre der Batterie-Defekt des Italieners in Spanien ausgeblieben, läge sein Vorsprung auf Russell nicht bei 50, sondern bei 71 Punkten, laut der Berechnungen auf Basis der Quellenlage.

Russell selbst hatte in Kanada ebenfalls einen Batterie-Ausfall zu verkraften. Und seine Batterie aus jenem Rennen lag zum Zeitpunkt der Spielberg-Pressekonferenz noch auf einem Schiff, weil sie nicht per Flugzeug transportiert werden durfte. Die Analyse des Defekts läuft also noch. Technik-Chef James Allison hatte bereits angekündigt, dass Mercedes an Lösungen arbeite. In Österreich soll es das erste Zuverlässigkeits-Upgrade geben.

Für Hamilton hat Russell in Spielberg bemerkenswert warme Worte gefunden. „Es ist super, Lewis dabei zu sehen, was er am besten kann. Die Leute haben ihn in den letzten Jahren kritisiert. Und seit vier, fünf Rennen fährt er sensationell. Wenn alles passt, fliegst du. Und das zeigt er gerade und ist eine echte Gefahr.“ Das klingt nach echtem Respekt, nach einem Fahrer, der die Komplexität des Sports versteht. Es klingt aber auch nach jemandem, der gerade dabei zuschaut, wie ein anderer das Momentum übernimmt.

Cockpit-Frage und mentale Stabilität

Quelle: Instagram via @georgerussell63

Die Gerüchte kamen schnell, als Russells Ergebnisse schlechter wurden: Max Verstappen könnte für 2027 ein Cockpit bei Mercedes bekommen. Russell beendete die Spekulation in Spielberg mit einer Aussage, die keinen Interpretationsspielraum lässt. „Es gibt noch keine Bestätigung, aber ich bin zu 100 Prozent nächstes Jahr hier“, sagte er gegenüber englischen Medien. „Das wurde mit Toto Wolff noch nicht einmal besprochen. Wir müssen darüber nicht sprechen. Es steht überhaupt nicht zur Debatte.“

Für Verstappen wäre bei Mercedes ohnehin kein realistisches Cockpit frei. Antonelli, der WM-Führende, nach einem Durchbruchs-Jahr aus dem Team zu nehmen, wäre eine Entscheidung, die schwer zu begründen wäre. Russell bleibt also. Die Frage ist, mit welchem Ergebnis er die Saison beendet.

Er selbst gibt sich gelassen, fast demonstrativ. „Nichts macht mich nervös. Es begeistert mich, wenn wir mehr Leute haben, die gegeneinander kämpfen“, sagte er in Spielberg, und zog den Vergleich zum Kart-Sport, wo viele Gegner den Wettbewerb reizvoller machen. Technische Defekte, die die WM beeinflussen könnten? „Ich werde mich nicht von Dingen stressen lassen, die ich nicht kontrollieren kann.“ Das ist entweder die Haltung eines Fahrers, der gelernt hat, mit Druck umzugehen. Oder die eines Fahrers, der sich noch nicht eingestanden hat, wie eng die WM für ihn gerade wird. Der Österreich-Grand-Prix am 28. Juni wird erste Antworten liefern.

Quellen: auto-motor-und-sport.de

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