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Dritter Platz, große Fragen: Was Englands WM-Abschneiden wirklich bedeutet

Juli 19, 2026
3 Minuten Lesezeit
Dritter Platz, große Fragen: Was Englands WM-Abschneiden wirklich bedeutet
Bild: @england via Instagram

 

England hat bei dieser Weltmeisterschaft Geschichte geschrieben, nur nicht die, die sich das Land erhofft hatte. Bronze, das beste Abschneiden seit 1966, ein 6:4-Thriller gegen Frankreich im Spiel um Platz drei. Und trotzdem bleibt das Bild von zwei Gegentoren in den letzten fünf Minuten gegen Argentinien, das Bild eines Thomas Tuchel, der auf Verwaltung umschaltet und dabei alles verliert. Wie gut war dieses England wirklich? Und was sagen die Leistungen der 26 Spieler über das, was 2028 und 2030 kommen könnte?

Was die Zahlen und Noten sagen

Bild: @england via Instagram

Jude Bellingham ist der Maßstab dieser Weltmeisterschaft. Sieben Tore, laut Sky Sports die meisten, die ein englischer Spieler je bei einem großen Turnier erzielt hat. Nicht nur die Tore, sondern sein Antrieb nach vorne, sein Zug zum Tor in entscheidenden Momenten. Einer der wenigen Spieler, der eine 8 verdient hat.

Dahinter wird es komplizierter. Harry Kane bekommt eine 7, aber mit einem deutlichen Vorbehalt: Gegen Norwegen und Argentinien, die zwei größten Spiele des Turniers, war er nach Einschätzung von Sky Sports kaum präsent. Er hat den englischen WM-Torrekord gebrochen, er kommt laut eigener Aussage gegenüber Sky Sports aus seiner besten Saison überhaupt. Und doch stellt sich die Frage, die Sky Sports offen formuliert: Wie lange hat er noch auf der internationalen Bühne? Bukayo Saka, ebenfalls 7, ist das frustrierendste Kapitel dieses Turniers. Nicht fit genug für die meisten Spiele, dann ein Hattrick gegen Frankreich, nachdem das Halbfinale schon verloren war. Tuchel hat ihn gegen Argentinien nicht von Beginn an gebracht. Laut Sky Sports war das „ein riesiger Fehler“.

Declan Rice mit 7 trotz Krankheit, Anthony Gordon mit 7 nach langsamem Start, Dan Burn als Kultheld mit drei entscheidenden Kopfbällen. Das sind die positiven Seiten. Auf der anderen Seite: Marcus Rashford mit 5, Ollie Watkins mit 5, Kobbie Mainoo ohne Bewertung nach einer Turnier-Episode, die laut Sky Sports „kein gutes Bild“ abgibt. Und Tuchel selbst: 6 von 10. Gut in den Gruppenspielen, falsch in dem Moment, der zählte.

Die Taktik-Frage und ihre Lücken

Was im Halbfinale passiert ist, lässt sich rekonstruieren. England führte 1:0 gegen Argentinien, fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit. Tuchel stellte nach der letzten Trinkpause auf eine Fünferkette um. England verlor noch in der regulären Spielzeit. Laut Kane gegenüber Sky Sports: „Die Entscheidung, das Ergebnis zu verwalten, ist nach hinten losgegangen.“ Er sagt das rückblickend, und er sagt es klar.

Bild: @england via Instagram

Tuchel hatte in diesem Turnier durchaus gezeigt, dass er reagieren kann. Die Halbzeitansprache gegen Kroatien, das Defensiv-Bollwerk gegen Mexiko im Azteca, Rice als Rechtsverteidiger gegen die DR Kongo. Das sind Entscheidungen, die Spiele gewonnen haben. Doch genau deshalb wiegt der taktische Rückzug im Halbfinale schwerer. Wer bewiesen hat, dass er mutig entscheiden kann, dem wird der Moment, in dem er es nicht tat, nicht so schnell vergessen.

Assistent Anthony Barry bekommt von Sky Sports eine 6 mit einem Zusatz: Für Medienauftritte eine 10, für seine Mitverantwortung an den taktischen Entscheidungen ebenfalls zur Rechenschaft gezogen. Das ist fair. Tuchel und sein Stab stehen gemeinsam für das, was in Dallas oder wo auch immer das Halbfinale ausgetragen wurde, schiefgelaufen ist.

Wo die Baustellen für Euro 2028 liegen

Tuchel hat laut Sky Sports zugesagt, England durch die Euro 2028 zu führen. Das gibt dem Projekt Kontinuität, löst aber die strukturellen Probleme nicht. Das auffälligste davon: Es gibt keinen echten Nachfolger für Kane auf der Neun. Watkins hat das Turnier mit fünf Minuten Einsatzzeit vor dem Halbfinale beendet, Ivan Toney kam als Elfmeter-Spezialist und bekam keine Elfmeter. Wer in vier Jahren auf Kane folgen soll, ist offen.

Dazu kommt Saka. Er war in diesem Sommer für weite Strecken nicht fit genug. Wenn er zur Euro 2028 vollständig fit anreist, ist er nach Einschätzung von Sky Sports ein anderer Spieler. Elliot Anderson, 116 Millionen Pfund wert laut Sky Sports nach seinem Transfer während des Turniers, soll bis dahin zwei Jahre bei Manchester City hinter sich haben. Bellingham, Rice, Saka, Anderson, Gordon: Das ist ein Kern, der 2028 im besten Alter sein wird.

Das Problem ist, dass dieser Kern einen funktionierenden Mittelstürmer braucht, der die Chancen verwertet, die ein solches Mittelfeld erzeugt. Derzeit gibt es dafür nur eine Antwort.

Kane mit 36 und die Frage, die niemand beantworten kann

Bild: @england via Instagram

Kane wird zur WM 2030 36 Jahre alt sein. Er selbst sagt gegenüber Sky Sports: „Vier Jahre sind eine sehr lange Zeit. Ich werde nicht übermütig. Aber solange ich so spiele wie jetzt, werde ich England vertreten.“ Das ist weder Absage noch Versprechen, sondern das Einzige, was man in dieser Situation sagen kann.

Sky Sports verweist auf Lionel Messi, der dieses Turnier mit 39 Jahren geprägt hat. Das ist kein Argument dafür, dass Kane 2030 noch auf diesem Niveau spielen wird. Es ist aber ein Argument dagegen, das kategorisch auszuschließen. Und solange kein anderer englischer Stürmer in Sicht ist, der diese Rolle übernehmen kann, wird die Frage nach Kane die englische Fußballdiskussion bis mindestens 2028 begleiten.

Tuchel hat sein erstes Turnier als Nationaltrainer hinter sich. Bronze, ein Halbfinale, das hätte gewonnen werden können, und eine Erfahrung, die ihn nach Kanes eigenen Worten gegenüber Sky Sports besser machen wird: „Er hat von den Spielern gelernt, vom Druck, vom Umfeld, vom Reisen. Das wird uns für die Zukunft nur besser machen.“ Das mag stimmen. Es ist aber auch das, was man nach jedem verpassten Turnier sagt. Der Unterschied ist diesmal, dass England tatsächlich nah dran war. Nah genug, dass der Abstand zwischen dem, was war, und dem, was möglich gewesen wäre, noch lange zu spüren sein wird.

Quellen: Sky Sports

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