Mehr als 34 Grad Celsius in Spielberg, über 50 Grad in den Cockpits, und rund 100.000 Zuschauer auf den Tribünen des Red Bull Ring: Der Große Preis von Österreich war nach Veranstalterangaben das heißeste Rennen in der 63-jährigen Formel-1-Geschichte des Landes. Mittendrin George Russell, 28 Jahre alt, Pole-Position, kein Fehler, kein Zögern. Am Ende fuhr er als Erster über die Linie, vor Max Verstappen im Red Bull und Kimi Antonelli im zweiten Mercedes. Es war Russells zweiter Saisonsieg, der siebte Mercedes-Triumph im achten Saisonlauf.
Eine Pole, die Fragen aufwarf
Begonnen hatte das Wochenende nicht ganz reibungslos für Russell. Die Pole-Position am Samstag war nicht unumstritten: Verstappen war im Qualifying von der Strecke geflogen, und Russell nutzte genau diesen Moment, um seine schnellste Runde zu vollenden. Die Rennkommissare untersuchten die Situation, konnten dem Briten aber kein Fehlverhalten nachweisen. Russell startete von Platz eins.
Im Rennen selbst ließ er dann nichts anbrennen. Er verteidigte seine Führung souverän, hielt die Konkurrenz auf Abstand und managte die Reifen in der Gluthitze mit einer Präzision, die dem Rest des Feldes fehlte. Verstappen versuchte es früh: Nach nur 19 von 71 Runden kam der viermalige Weltmeister zum ersten Boxenstopp, ein aggressiver Versuch, das Rennen über die Strategie zu drehen. Mercedes lag zwischenzeitlich doppelt vorn.

Bremsen, Hitze und ein virtuelles Safety Car
Dann wurde es kompliziert, für fast alle. Ein virtueller Safety-Car-Einsatz nach dem Ausfall von Carlos Sainz im Williams brachte kurz Bewegung ins Feld. Antonelli, der 19-jährige WM-Spitzenreiter, klagte über Probleme an den Bremsen. Lewis Hamilton bemängelte fehlende Leistung und fiel zurück, am Ende reichte es nur für Platz fünf, was ihn seinen zweiten Gesamtrang kostete. Nico Hülkenberg im Audi kam als Zwölfter ins Ziel, erneut ohne Punkte.
Verstappen arbeitete sich in der Schlussphase näher an Russell heran. Bei einem weiteren Boxenstopp übernahm er kurz die Führung, holte sich 20 Runden vor Schluss noch einmal frische Reifen, diesmal die harte Mischung. Damit kam er nicht mehr vorbei. Russell gewann.
50 Grad im Cockpit, Kühlwesten optional
Was die Zahlen auf der Ergebnisliste nicht zeigen: Dieses Rennen war körperlich ein anderes Kaliber. Der Automobil-Weltverband FIA hatte vor dem Rennen explizit gewarnt, für die Piloten waren Kühlwesten erlaubt. Dennoch verzichteten mehrere Fahrer auf die spezielle Kühlung mit Flüssigkeitsschläuchen unter dem Rennanzug. Das System sei nicht ausgereift genug, hieß es, bringe nur kurz Abkühlung und störe zudem im engen Cockpit. Man fuhr also in der Hitze, so wie sie war.
In der WM-Gesamtwertung führt Antonelli weiter mit 40 Punkten Vorsprung auf Russell. Der Kampf zwischen dem Teenager und dem erfahrenen Teamkollegen ist das eigentliche Thema dieser Saison, und Spielberg hat daran nichts geändert, nur die Abstände etwas verschoben. Russell hat gezeigt, dass er gewinnen kann, wenn das Rennen ihm gehört. Die Frage ist, wie oft ihm das noch gelingt, bevor Antonelli den Titel macht.
Quellen: Spiegel
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