Roberto Martínez hat genug von den Vergleichen. Nach dem torlosen Remis gegen Kolumbien, das Portugal den Gruppensieg und damit die leichtere Hälfte des WM-Tableaus kostete, stellte sich der spanische Nationaltrainer vor seinen Stürmer und wies Fragen nach Cristiano Ronaldo und Lionel Messi scharf zurück. „Kindisch“ sei das, sagte Martínez. Doch die Zahlen, die in diesem Turnier entstehen, lassen sich schwer wegdiskutieren.
Das Remis und seine Folgen
Ein Sieg gegen Kolumbien hätte Portugal auf Platz eins der Gruppe K gebracht und den Weg in die vermeintlich einfachere Hälfte des Tableaus geöffnet. Stattdessen wartet im Achtelfinale nun Kroatien, dahinter droht im Sechzehntelfinale ein mögliches Duell mit Spanien. Kolumbien trifft zunächst auf Ghana und danach auf die Schweiz oder Algerien, also deutlich zugänglichere Gegner. Das 0:0 war damit nicht nur ein sportliches Ärgernis, sondern eine strukturelle Weichenstellung für das gesamte Turnier. Ronaldo selbst blieb gegen Kolumbien weit unter seinen Möglichkeiten: Laut den verfügbaren Daten kam er auf einen xG-Wert von gerade einmal 0,13. Zum Auftakt gegen die DR Kongo war er ebenfalls blass. Nur gegen Usbekistan traf er, gleich zweimal. Es sind seine einzigen WM-Tore in den letzten sieben Turnierspielen.

Messi auf der anderen Seite
Während Ronaldo auf Tore wartet, erlebt Lionel Messi bei dieser WM einen anderen Sommer. Der 39-Jährige traf alle fünf Tore Argentiniens in den Siegen gegen Algerien und Österreich und sicherte seinem Team damit als erstem den Einzug in die nächste Runde. Gegen Jordanien wurde Messi zunächst geschont, kam dann aber von der Bank und erzielte trotzdem sein 19. WM-Tor, womit er seinen eigenen Rekord erneut ausbaut. Martínez wollte davon nichts hören: „Wir vergleichen uns nicht mit anderen Spielern anderer Teams. Das wäre kindisch“, sagte er gegenüber Journalisten nach dem Spiel. Die Frage, die dahintersteht, ob Ronaldo Portugal in diesem Turnier eher bremst als antreibt, ließ er damit freilich nicht verschwinden.
Martínez hält an Ronaldo fest
Der Trainer verteidigte seine Aufstellung mit Nachdruck. „Cristiano ist daran gewöhnt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es geht mehr darum, mental stark zu sein, in der Position diszipliniert zu bleiben und Räume in unseren Angriffsmustern zu öffnen“, erklärte Martínez. Auf die Frage nach möglichen Wechseln im nächsten Spiel antwortete er offen: „Es ist kein Problem für Cristiano, 90 Minuten zu spielen, aber vielleicht müssen wir im nächsten Spiel eine Änderung vornehmen. Wie bei jedem anderen Spieler auch. Wir werten alle Informationen aus Spielen und Training aus, und es gibt immer die Möglichkeit, Änderungen vorzunehmen.“ Das klingt nach Flexibilität, ist aber auch eine Hintertür, die Martínez bislang kaum genutzt hat.
Ronaldo wird keine weitere WM mehr spielen. Er wird 2030, beim nächsten Turnier, 45 Jahre alt sein und hat laut Berichten bereits stark angedeutet, spätestens im kommenden Sommer zurückzutreten. Diese WM ist seine letzte Chance auf den einzigen großen Titel, der in seiner Sammlung fehlt. Ronaldo selbst soll einmal gesagt haben, es sei nicht sein Traum, die WM zu gewinnen. Angesichts der bisherigen Leistungen und des nun deutlich schwereren Wegs durch das Tableau wirkt diese Aussage fast wie eine Vorahnung. Portugal hat die Mittel, um weiterzukommen. Ob Ronaldo der Mann ist, der sie dorthin trägt, ist nach diesen zwei Wochen eine offene Frage.
Quellen: Sports Illustrated
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