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Spanien ist Weltmeister 2026 – und die WM hat alles verändert

Juli 20, 2026
4 Minuten Lesezeit
Spanien ist Weltmeister 2026 – und die WM hat alles verändert
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MetLife Stadium, New Jersey, 106. Minute. Ferran Torres trifft. Spanien ist Weltmeister. Und 80.663 Menschen im Stadion – die meisten von ihnen Argentinien-Fans – stehen da wie begossene Pudel.

Bild: Instagram @fifaworldcup

Das war die WM 2026. Nicht immer schön. Nicht immer fair. Aber verdammt nochmal unvergesslich.

Das Finale: Messi gegen Yamal – und keiner trifft

Es war das Duell, das sich die Fußballwelt gewünscht hatte: Lionel Messi, 39 Jahre alt, möglicherweise sein letztes großes Turnier, gegen Lamine Yamal, das Teenager-Wunderkind Spaniens. Kollektivismus gegen Individualismus. Orchester gegen Solist.

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Das Ergebnis? 105 Minuten lang: nichts. Spanien schoss 20 Mal aufs Tor. Argentinien dreimal. Und trotzdem stand es 0:0 – bis Torres in der Verlängerung zuschlug. Kein Klassiker. Aber ein Moment, der bleibt.

Spanien ist damit die erste Nation, die gleichzeitig Männer- und Frauen-Weltmeister ist. Zwei Sterne auf dem Trikot. Das ist keine Kleinigkeit.

Die Zahlen hinter der WM: 15 Milliarden Dollar – und das ist erst der Anfang

Während auf dem Rasen Fußball gespielt wurde, lief hinter den Kulissen eine Geldmaschine auf Hochtouren. FIFA-Präsident Gianni Infantino verkündete seinen Mitgliedsverbänden, dass die WM 2026 rund 15 Milliarden Dollar eingebracht hat – ursprünglich wurden 11 Milliarden projiziert. Ein historischer Rekord.

Die Gründe? Unter anderem der explodierte Ticketmarkt. Das WM-Finale gilt als das teuerste Sportereignis in der Geschichte der USA. Tickets auf dem offiziellen Wiederverkaufsportal kosteten bis zu 2,3 Millionen Dollar. Auf dem FIFA-Portal waren Karten für 32.000 Dollar pro Stück gelistet – bevor sie am Freitag vor dem Finale vom Markt genommen wurden.

Auch die TV-Zahlen in den USA waren historisch: Das Spiel USA gegen Belgien sahen 50,1 Millionen Zuschauer – mehr als jedes Non-NFL-Sportereignis seit dem Duell Tonya Harding gegen Nancy Kerrigan bei den Olympischen Spielen 1994. Mexiko gegen England zog 46,7 Millionen Zuschauer an.

Infantino hat bereits angekündigt, bei der FIFA-Wahl 2027 für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Mit 200 von 211 Mitgliedsverbänden hinter sich – und 15 Milliarden Dollar frischem Geld – dürfte das eine Formsache sein.

Die Halbzeit-Show: Madonna, BTS, Jason Sudeikis – und Wayne Rooney sagt es, wie es ist

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Die WM 2026 hatte eine Premiere, die niemand wirklich wollte: eine Halbzeit-Show nach NFL-Vorbild. 27 Minuten Pause statt der üblichen 15. Madonna, BTS, Justin Bieber, Shakira, Coldplay, Burna Boy – ein Spektakel der Sponsoren und Farben.

Und dann: Jason Sudeikis und Brendan Hunt, in Kostümen ihrer Apple-TV-Serie „Ted Lasso“. Warum? Keine erkennbare Begründung. Die Show endete mit einem Aufruf, eine Website zu besuchen, damit die Advocacy-Organisation Global Citizen E-Mail-Adressen sammeln konnte.

Ex-England-Star Wayne Rooney fasste es im BBC-Kommentar zusammen: „I thought it was crap.“ Selten war ein Kommentar treffender.

Die Gewinner jenseits des Rasens

Neben Spanien gab es weitere Stars dieser WM:

  • Kylian Mbappé gewann den Goldenen Schuh mit 10 Toren – mehr als jeder Spieler seit Gerd Müller 1970. Er ist damit auch der führende WM-Torschütze aller Zeiten, einen Treffer vor Messi.

  • Rodri wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Die Fans im Stadion quittierten seine Trophäenübergabe mit „Messi!“-Rufen. Argentiniens Superstar musste sich mit dem Silbernen Ball begnügen.

  • Unai Simón wurde bester Torwart – mit sieben Zu-Null-Spielen und gerade mal 11 Gegentor-Schüssen im gesamten Turnier.

  • Pau Cubarsí gewann die Auszeichnung als bester Juniorenspieler. Der 19-Jährige hat übrigens einen Backup-Plan: „Wenn der Fußball mal nicht klappt, gibt es immer noch die Schreinerei.“

Die Verlierer: Deutschland, Portugal – und NJ Transit

Wo Gewinner sind, gibt es auch Verlierer. Deutschland schied im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus – ein Debakel, das sich laut Spiegel-Analyse hätte abzeichnen können. Trainer Julian Nagelsmann lag mit zu vielen Entscheidungen daneben: das sture Festhalten an Leroy Sané, die fragwürdige Kimmich-Positionierung als Rechtsverteidiger, das Hin und Her bei Manuel Neuer.

Portugal scheiterte im Achtelfinale – trotz des möglicherweise besten Kaders der portugiesischen Geschichte. Das Problem? Trainer Robert Martínez stellte weiter auf Cristiano Ronaldo, der laut seinem eigenen Biografen kaum noch trainiert und krampfhaft versucht, der alte Ronaldo zu sein. „Aber das ist er nicht mehr. Und er kann das nicht akzeptieren.“ Ausgang bekannt.

Und dann ist da noch NJ Transit: Der Nahverkehr rund um das MetLife Stadium verlangte 98 Dollar pro Hin- und Rückfahrt. Das Ergebnis? Statt der erwarteten 40.000 Fans pro Spiel kamen nur rund 24.000 mit dem Zug. Fehlende Einnahmen: rund 9,4 Millionen Dollar.

Die emotionalen Momente: Kap Verde, Schottland und die Kraft des Fußballs

Nicht alles war Kommerz. Kap Verde und sein Weltklasse-Torwart Vozinha begeisterten die Welt. Schottland und Boston schlossen nach dem WM-Sommer eine Partnerschaft für wirtschaftliche Entwicklung und Kulturaustausch – nachdem die Schotten die Stadt buchstäblich leertranken.

Oasis bekam durch Englands Turnier mehr Streaming-Zuwachs als durch ihre eigene Reunion-Tour 2025. Tausende englische Fans sangen „Wonderwall“ durch jeden Sieg – inklusive des 6:4-Spektakels gegen Frankreich im Spiel um den dritten Platz.

Mexiko erlebte möglicherweise den emotionalsten Sommer seiner Fußballgeschichte: vier Siege in einem einzigen WM-Turnier, der erste Achtelfinaleinzug seit 40 Jahren, und ein Azteca-Stadion, das zur Festung wurde. Das Aus gegen England – trotz fast 50 Minuten Überzahl – schmerzt. Aber die Erinnerungen bleiben.

Das Fazit: Warts and all – everyone wants more

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Die WM 2026 war laut, teuer, kommerziell überladen und emotional auf eine Art, die niemand vollständig erklären kann. Sie hatte eine bescheuerte Halbzeit-Show, Tickets für Millionen von Dollar, einen FIFA-Präsidenten mit fragwürdigen politischen Verbindungen – und trotzdem Momente, die in die Fußballgeschichte eingehen.

Spanien ist Weltmeister. Messi hat verloren. Mbappé hat Geschichte geschrieben. Und Gianni Infantino lächelt mit 15 Milliarden Dollar in der Tasche.

Die harte Wahrheit: Der Fußball gehört längst nicht mehr nur den Fans. Aber die Fans kommen trotzdem. Immer wieder. Weil in der 106. Minute immer noch ein Tor fallen kann, das alles verändert.

Und genau das ist das Problem – und die Magie – des Fußballs.

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