Jannik Sinner angeschlagen, Novak Djokovic mit Fragezeichen, Carlos Alcaraz ohne Matchpraxis: Vor den US Open geraten gleich mehrere Topfavoriten ins Wanken. Alexander Zverev könnte davon profitieren, wenn er selbst rechtzeitig zu seiner Bestform findet.
New York rückt näher und die Favoritenrolle für die US Open wird zunehmend kompliziert. Während sich Alexander Zverev auf das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres vorbereitet, kämpfen einige seiner größten Konkurrenten mit Verletzungen oder körperlichen Problemen.
Besonders der Blick auf Jannik Sinner sorgt für Spannung. Der Weltranglistenerste verzichtete nach Wimbledon auch auf das Masters in Cincinnati. Grund dafür sind Beschwerden am rechten Knie. Medienberichten zufolge wurde Sinner in Turin unter anderem mit Stoßwellentherapie behandelt. Ein erster Belastungstest soll zwar positiv verlaufen sein, endgültige Sicherheit gibt es jedoch noch nicht.
Seit seinem Wimbledon-Sieg gegen Zverev hat Sinner kein Match mehr bestritten. Ob er in New York tatsächlich an den Start gehen kann, hängt deshalb maßgeblich davon ab, wie belastbar sein Knie in den kommenden Tagen ist.
Djokovic ebenfalls nicht ohne Sorgen
Auch Novak Djokovic geht nicht völlig unbeschwert in die heiße Phase vor den US Open. Der 39-Jährige musste in Cincinnati bei seinem Auftaktmatch gegen Alejandro Tabilo nach gewonnenem ersten Satz körperlich deutlich abbauen. Nach medizinischer Behandlung verlor Djokovic die Partie noch mit 6:2, 4:6, 4:6.
Anschließend machte der Serbe deutlich, dass ihm ein gesundheitliches Problem, das ihn bereits seit Jahren begleitet, vor allem bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit zu schaffen macht. Genau solche Bedingungen können auch in New York zum Faktor werden.
Und dann ist da noch Carlos Alcaraz. Der Titelverteidiger fehlt seit seiner Verletzung am rechten Handgelenk im April bei den großen Turnieren. French Open und Wimbledon verpasste der Spanier bereits. Zwar ist Alcaraz wieder im Training und steht auf der Meldeliste für New York, doch seine Teilnahme ist noch nicht endgültig gesichert. Sollte er antreten, würde ihm zudem wichtige Wettkampfpraxis fehlen.
Zverev plötzlich in einer interessanten Position
Für Alexander Zverev ergibt sich dadurch eine Situation, die vor einigen Wochen noch deutlich anders aussah. Der Deutsche ist fit, als Nummer zwei gesetzt und bringt mit seinem Aufschlag und seiner starken Rückhand ideale Voraussetzungen für den schnellen Hartplatz in New York mit.

Vor allem aber weiß Zverev inzwischen, dass er ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann. Sein Triumph bei den French Open hat eine entscheidende mentale Hürde beseitigt. Der erste große Titel ist da und damit auch der Beweis, dass er in den entscheidenden Phasen eines Majors bestehen kann.
Auch die US Open sind für Zverev kein unbekanntes Terrain. 2020 stand er in New York bereits im Finale und verpasste seinen ersten Grand-Slam-Titel nur knapp. Ein weiterer tiefer Lauf wäre deshalb keine Überraschung.
Doch genau hier liegt das große Fragezeichen.
Die eigene Form bleibt das Problem
Denn Zverev selbst hat zuletzt nicht die Konstanz gezeigt, die ihn automatisch zum Topfavoriten machen würde. Nach seinem verlorenen Wimbledon-Finale folgte in Montreal das frühe Aus gegen Tallon Griekspoor. Auch in Cincinnati war im Achtelfinale Schluss.
Vor allem fehlt dem Deutschen derzeit jene Souveränität, mit der er bei seinen besten Auftritten Gegner unter Druck setzt und enge Situationen kontrolliert. Zu häufig zieht er sich zurück, obwohl er spielerisch eigentlich die besseren Karten besitzt.
Bis zum Start in New York geht es deshalb nicht nur darum, gesund zu bleiben. Zverev muss vor allem seinen Rhythmus finden und Vertrauen in sein eigenes Spiel zurückgewinnen.

Die Chance ist da
Noch wäre es zu früh, Zverev zum Topfavoriten zu erklären. Zu viel hängt von der Entwicklung bei Sinner, Djokovic und Alcaraz ab. Doch die Ausgangslage hat sich verändert.
Wenn Sinner tatsächlich nicht bei 100 Prozent ist, Djokovic mit den Bedingungen zu kämpfen hat und Alcaraz ohne ausreichende Matchpraxis antreten muss, könnte Zverev in New York vor einer außergewöhnlichen Gelegenheit stehen.
Der Weg zum zweiten Grand-Slam-Titel ist plötzlich offener als noch vor wenigen Wochen. Jetzt muss Zverev nur noch beweisen, dass er selbst bereit ist, durch diese offene Tür zu gehen.
Quelle: Sports Illustrated Deutschland
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