13 Tore, fünf Vorlagen, Aufstiegsheld beim 1. FC Köln und trotzdem kein Platz im WM-Kader. Said El Mala, 19 Jahre alt, hat eine Rückrunde gespielt, die ihn in die engste Auswahl gebracht hat. Und dennoch nannte Julian Nagelsmann am Donnerstag ausgerechnet El Mala als erstes Beispiel, wenn er über die kompliziertesten Telefonate im Zuge der Kaderbekanntgabe spricht. Das sagt mehr über den Zustand des deutschen Angriffsspiels als jede Nominierungsliste.
Was Nagelsmann wirklich gesagt hat

Der Bundestrainer ließ keinen Zweifel daran, dass El Mala die Nicht-Nominierung nicht verdient hat. „Er hat eine tolle Rückrunde gespielt, gut gescort“, sagte Nagelsmann. „Er hätte es generell verdient.“ Das ist kein Trostpflaster, das ist eine Einschätzung, die den eigentlichen Kern der Entscheidung offenlegt: El Mala war gut genug, aber nicht passend genug.
Der Unterschied liegt in der Heatmap. Nagelsmann wurde konkret: „Wenn man die Heatmap in Köln sieht, ist die schon sehr nah am eigenen Tor. Er hat viel Konterraum.“ Köln spielt tief, schaltet schnell um, und El Mala kann in diesem System sein Tempo und seine Dribbelstärke ausspielen. Das DFB-System funktioniert anders. Offensiver, ballbesitzorientierter, mit anderen Laufwegen. Und für den Konter, den Nagelsmann dennoch einplant, hat er Maximilian Beier dabei, den er mit „extremem Fleiß“ und „unfassbarer Mentalität“ beschreibt. Da musste man abwägen, so Nagelsmann. Die Abwägung fiel knapp aus.
Was Köln dazu sagt
Beim 1. FC Köln hält man sich mit Kritik zurück, aber die Enttäuschung ist greifbar. „Wir als FC-Familie und natürlich auch ich persönlich finden es sehr schade, dass Said nicht mit zur WM fährt“, sagte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler nach der Bekanntgabe.
„Wenn man seine Entwicklung und seine Leistungen in dieser Saison betrachtet, hätte er es sich definitiv verdient.“
Das ist keine leere Loyalitätsgeste. El Malas 13 Tore und fünf Vorlagen haben den FC als Aufsteiger in der Liga gehalten. Ohne ihn wäre die Rechnung anders ausgegangen. Kessler betonte zwar, man respektiere die Entscheidung des Bundestrainers, aber der Subtext ist klar: Ein 19-Jähriger, der einen Bundesligaklub im Alleingang rettet, hätte zumindest ein Turnier verdient, bei dem er zuschauen kann, wie Profis spielen, die er bald überholen wird.

Wo das Argument seine Grenzen hat
Nagelsmanns Begründung ist nachvollziehbar, aber nicht ohne Widerspruch. Wenn ein Spieler „generell verdient“ hätte, nominiert zu werden, dann ist das Gegenargument, er passe nicht zur Spielidee, ein strukturelles Problem, kein individuelles Versagen. Es bedeutet, dass El Mala in einem anderen System, bei einem anderen Klub, womöglich dabei wäre. Das ist eine ehrliche Aussage über die Grenzen des Kaders, aber auch eine, die zeigt, wie eng die Spielerprofile beim DFB inzwischen gefasst werden.
Zudem ist der Vergleich mit Beier interessant. Beier hat eine starke Saison gespielt, keine Frage. Aber „extremer Fleiß“ und „unfassbare Mentalität“ sind Attribute, die einen Spieler beschreiben, der das System erfüllt. El Mala ist einer, der das System sprengen könnte. Ob das für ein Turnier ein Vorteil oder ein Risiko ist, bleibt offen. Nagelsmann hat sich für das Bekannte entschieden.
Was daraus folgt

Sowohl Nagelsmann als auch Kessler sind sich in einem Punkt einig, und das ist selten genug: „Saids Zukunft wird kommen“, sagte der Bundestrainer. Kessler legte nach: „Wir sind überzeugt davon, dass er nach der WM ein ernsthafter Kandidat für den Kreis der Nationalmannschaft sein wird.“
Das WM-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko läuft vom 11. Juni bis zum 19. Juli. El Mala wird es aus der Ferne verfolgen, sofern keine Nachnominierung kommt. Mit 19 Jahren, 13 Bundesligatoren und einer Rückrunde, die den Bundestrainer zu einem der schwierigsten Telefonate seiner Amtszeit gezwungen hat. Das ist kein schlechter Ausgangspunkt.
Folge uns für mehr Insights aus Sport & Lifestyle.

Mehr aus FUSSBALL
Alle BeiträgeAktuelle Schlagzeilen
- 01
- 02
- 03
- 04
- 05 BUNDESLIGA
FC Bayern: Der Kakadu, der Meister macht
