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Audi gegen Cadillac: Die Schonfrist ist vorbei

August 20, 2026
3 Minuten Lesezeit
Audi gegen Cadillac: Die Schonfrist ist vorbei
Audi Revolut F1 Team: Grand Prix von Ungarn Audi R26 #27, Nico Hülkenberg Bild: Audi Revolut F1 Team

Zwei neue Werksteams, zwei völlig unterschiedliche Wege und ein gemeinsames Problem: In der Formel 1 wird aus dem Lehrjahr langsam Ernst. Audi hat bereits Punkte gesammelt, Cadillac wartet noch auf den ersten Zähler. Doch die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst jetzt.

Die Formel 1 hat zwei neue Namen bekommen und beide kämpfen sich auf sehr unterschiedliche Weise durch ihre erste Saison. Audi und Cadillac stehen vor dem Neustart nach der Sommerpause vor einer entscheidenden Phase. Der Große Preis der Niederlande markiert den Auftakt zur zweiten Saisonhälfte, in der sich zeigen soll, ob die bisherigen Fortschritte mehr waren als einzelne Lichtblicke.

Der Zwischenstand spricht eine deutliche Sprache: Audi hat zwölf WM-Punkte gesammelt, Cadillac steht noch bei null. Doch ein einfacher Vergleich greift zu kurz. Während Audi auf der Basis des übernommenen Sauber-Teams aufbaut und gleichzeitig einen eigenen Motor entwickelt, musste Cadillac praktisch ein komplettes Formel-1-Projekt aus dem Boden stampfen. Als Antriebspartner steht zunächst Ferrari zur Seite.

Audi kommt langsam in der Königsklasse an

Bild: Audi Revolut F1 Team

Für Audi war der Saisonstart ein Lernprozess mit einigen schmerzhaften Kapiteln. Technische und organisatorische Probleme sorgten zunächst für Unruhe. Inzwischen scheint sich der Rennstall jedoch stabilisiert zu haben.

Nico Hülkenberg holte in Ungarn die ersten beiden Punkte der Saison und ergänzte damit die zehn Zähler seines Teamkollegen Gabriel Bortoleto. Der Aufwärtstrend ist allerdings mit Vorsicht zu bewerten. Der Kurs in Budapest kam dem Audi R26 entgegen und lässt deshalb nur bedingt Rückschlüsse auf die kommenden Rennen zu.

Trotzdem ist der Fortschritt sichtbar. Die Abläufe wirken eingespielter, die Mannschaft sammelt Erfahrung und Audi findet zunehmend seinen Platz im Formel-1-Alltag.

Dabei ist die Integration der unterschiedlichen Standorte eine der größten Herausforderungen. Zwischen dem ehemaligen Sauber-Team, der Motorenfabrik in Neuburg an der Donau, der Audi-Zentrale in Ingolstadt und dem britischen Entwicklungsstandort müssen viele Zahnräder ineinandergreifen.

Jetzt zählen Ergebnisse

Die Geduld der Verantwortlichen wird allerdings nicht unbegrenzt reichen. Audi ist schließlich nicht als kleines Privatteam in die Formel 1 gekommen, sondern als großer Automobilhersteller mit hohen Ansprüchen und erheblichen Investitionen.

Entsprechend steigt der Druck. Hülkenberg und Bortoleto müssen in der zweiten Saisonhälfte regelmäßig in die Nähe der Punkteränge kommen. Der Anspruch sollte sein, zumindest eines der beiden Autos konstant in den Top Ten zu platzieren.

Audi Revolut F1 Team: Grand Prix von Ungarn
Nico Hülkenberg  Bild: Audi Revolut F1 Team

Ein Problem bleibt die Zuverlässigkeit. Gerade Hydraulik und Elektronik können den Fortschritt immer wieder ausbremsen. Audi verzichtet zudem bewusst auf eine große Entwicklungsstufe des aktuellen Motors. Ein Teil der Ressourcen wird bereits für 2027 zurückgehalten.

Die kommenden Rennen werden deshalb zu einer Art verlängertem Praxistest.

Cadillac darf noch lernen, aber nicht ewig

Noch etwas mehr Geduld kann sich Cadillac erlauben. Das US-Team steht erst am Anfang eines gewaltigen Projekts. Vor nicht allzu langer Zeit war die Teilnahme an der Formel 1 noch eine Idee, inzwischen stehen zwei Autos regelmäßig am Start.

Die sportliche Bilanz ist allerdings ernüchternd. Sergio Perez und Valtteri Bottas fahren häufig dem Feld hinterher, neun Ausfälle stehen bislang zu Buche. Punkte fehlen komplett.

Dabei waren durchaus Rennen dabei, in denen Cadillac zumindest zeitweise das Niveau des Mittelfelds erreichte. Die Konstanz fehlt jedoch.

Der unmittelbare Maßstab ist deshalb zunächst bescheiden: Im Qualifying sollte Cadillac zumindest regelmäßig die erste Runde überstehen und im Rennen die Zuverlässigkeit verbessern.

Bild: Cadillac F1 Team

Ein neuer Mann soll Cadillac voranbringen

In der Sommerpause hat Cadillac auf einer wichtigen Position reagiert. Graeme Lowdon musste seinen Platz räumen, Marcin Budkowski übernahm eine zentrale Rolle im Team.

Der Pole bringt jahrzehntelange Formel-1-Erfahrung mit und kennt sowohl technische als auch organisatorische Strukturen der Königsklasse. Für Cadillac könnte seine Verpflichtung ein wichtiger Schritt beim Aufbau langfristiger Strukturen sein.

Denn genau darum geht es beim US-Projekt: Cadillac muss nicht nur ein schnelleres Auto bauen. Das Team muss erst lernen, wie ein Formel-1-Rennstall funktioniert.

Parallel wird das Personal weiter ausgebaut. Ein Teil der Entwicklung konzentriert sich bereits auf die Zukunft, statt große Ressourcen in kleine Fortschritte des aktuellen Autos zu stecken.

Der Blick geht schon Richtung 2027

Bei beiden Teams steht deshalb die Zukunft stärker im Mittelpunkt, als es die aktuelle Tabelle vermuten lässt.

Audi will aus den Erfahrungen der ersten Saison ein stabiles Werksteam formen. Cadillac muss sogar noch einen Schritt weitergehen und die komplette Organisation etablieren. Hinzu kommt der langfristige Wechsel zu einem eigenen Antrieb.

Bild: Cadillac F1 Team

Für Cadillac ist die aktuelle Saison deshalb vor allem ein Lehrjahr. Für Audi hingegen beginnt die Phase, in der aus Erfahrung auch sportlicher Ertrag werden muss.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.

Die Ausrede „Wir sind neu“ läuft ab

Die erste Saisonhälfte durfte noch als Aufnahmeprüfung gelten. Fehler waren einkalkuliert, Rückschläge erwartbar. Doch mit jedem Rennen sinkt der Bonus für den Neulingsstatus.

Audi muss zeigen, dass die zwölf Punkte kein Zwischenhoch bleiben. Cadillac braucht Fortschritte bei Zuverlässigkeit, Qualifying und Rennpace.

Denn spätestens 2027 wird niemand mehr akzeptieren, dass beide Teams noch lernen müssen, wie Formel 1 funktioniert.

Die Schonfrist läuft ab und der Druck auf Audi und Cadillac steigt mit jedem Rennen.

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